Tourneeauftakt Kurzfristige Änderung der Corona-Regeln erzürnt Roland-Kaiser-Fans

Gerade noch war die Sachsenarena in Riesa ein Impfzentrum, nun steht dort ein Roland-Kaiser-Konzert bevor. Nach gestiegener Inzidenz wird dafür von Ungeimpften ein PCR-Test verlangt – doch der ist teuer.
Roland Kaiser auf der Bühne (Archivbild): »Die Vorfreude ist unbeschreiblich«

Roland Kaiser auf der Bühne (Archivbild): »Die Vorfreude ist unbeschreiblich«

Foto: Soeren Stache / dpa-Zentralbild

Jens Michow, der Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, hat sich unlängst für eine bundesweite 2G-Regelung ausgesprochen – also dass nur nachweislich Geimpfte und Genesene zu Konzerten eingelassen würden. Denn mit Kapazitätsbeschränkungen und Abstandsregeln, die unter 3G-Bedingungen behördlich gefordert werden, machten Veranstaltungen wirtschaftlich keinen Sinn.

»Tourneen werden erst dann wieder möglich sein, wenn es in Deutschland keinen Flickenteppich unterschiedlichster Regelungen gibt«, so Michow zur Deutschen Presse-Agentur, »sondern die Länder sich endlich auf ein einheitliches Öffnungsszenario einigen«.

Wie so ein Flickenteppich aussieht, illustriert eine Website, die das Hamburger Konzertveranstaltungsunternehmen Semmel Concerts online gestellt hat: Auf dem »Roland-Kaiser-Infoportal « ist verzeichnet, unter welchen lokalen Bedingungen die einzelnen Konzerte der Tournee des Schlagersängers stattfinden sollen. Kartenkäufer werden aufgefordert, »aufgrund der ständigen Anpassungen der länderspezifischen Corona-Verordnungen« die Seite regelmäßig zu besuchen – »insbesondere am jeweiligen Showtag«.

Roland Kaisers erste Hallentournee nach anderthalb Jahren soll am Freitagabend in Riesa beginnen. Dass das Konzert dort stattfinden kann, war erst kurzfristig klar geworden, denn noch am Sonntagabend wurden in der dortigen Sachsenarena Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Dann schloss das Impfzentrum des Landkreises nach acht Monaten. Innerhalb von zwei Tagen ging der Umbau vonstatten, damit die Halle wieder für Veranstaltungen bereitsteht.

Sachsenarena in Riesa: Gerade noch Impfzentrum, nun wieder Konzerthalle

Sachsenarena in Riesa: Gerade noch Impfzentrum, nun wieder Konzerthalle

Foto: Christian Ender / Getty Images

Manche, die dem Impfzentrum in der Sachsenarena ferngeblieben waren, erwartete beim Blick ins Roland-Kaiser-Infoportal eine wichtige Mitteilung. Das ursprünglich unter 3G-Bedingungen geplante Konzert kann nämlich, weil der Corona-Inzidenzwert im Landkreis Meißen auf über 35 angestiegen ist, nach behördlicher Anordnung nur noch bei Vorlage eines Impf-, Genesungs- oder negativen PCR-Test-Nachweises besucht werden. PCR-Tests sind deutlich teurer als die für 3G-Veranstaltungen ausreichenden Antigen-Tests – teurer als die Eintrittskarten.

Die Redaktion der »Sächsischen Zeitung« bekam die Empörung mancher Kaiser-Fans zu hören. Die Lokalzeitung zitiert  in ihrer Donnerstagsausgabe eine 34-Jährige, die sich seit Monaten auf das Konzert gefreut habe. Aber die Familie habe sich gegen eine Impfung entschieden und wolle nicht den hohen Preis für einen PCR-Test bezahlen: »Wir werden hier ausgegrenzt, und zwar auf die übelste Art und Weise«.

»Uns liegt es fern, jemanden auszuschließen«

Der Veranstalter Semmel Concerts betonte, man habe erst am Dienstag die Genehmigung für das Konzert mit 5000 verkauften Tickets erhalten – aber eben unter Voraussetzung der 2-G-Regel oder einem PCR-Test. Die 3-G-Regelungen hätte man nur aufrechterhalten können, wenn man das Konzert auf zwei Shows mit höchstens jeweils 3.000 Besuchern verteilt hätte. Das würde aber der Tourneeplan nicht zulassen. Wer das Konzert unter diesen Bedingungen nicht besuchen wolle, könne seine Eintrittskarte gegen einen Gutschein umtauschen.

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Allgemein warb der Veranstalter bei allen Fans um Verständnis. »Uns liegt es fern, jemanden bei einem unserer anstehenden Konzerte auszuschließen«, heißt es in einer Erklärung , die Semmel Concerts über soziale Netzwerke verbreitete. Aus Rücksicht auf die Tournee-Beteiligten habe man sich dazu entschieden, einige Veranstaltungen unter der Bedingung der 2G-Regel durchzuführen – »bevor wir diese immer wieder verlegen müssen und damit diese Arbeitsplätze und Existenzen einer ganzen Branche gefährden.«

Laut Infoportal betrifft dies nach derzeitigem Stand den Auftritt in Hamburg und »voraussichtlich« den in Erfurt. In Frankfurt am Main wiederum sei bei 3G-Regelung nicht mal eine Besucherdatenerfassung notwendig. Doch all das kann sich, so kennt man es in pandemischen Zeiten, auch ganz kurzfristig wieder ändern.

feb/dpa
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