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James-Bond-Songs: Singen für 007

Foto: Britta Pedersen/ dpa

James-Bond-Song von Sam Smith Auweia

Große Erwartung, große Enttäuschung: Der neue Bond-Song "Writing's On The Wall" von Sam Smith und Disclosure ist näher am Eurovision Song Contest als am Agenten ihrer Majestät. Und könnte trotzdem ein wichtiges Zeichen setzen.

Es ist der neue James-Bond-Song, klar. Das hört man nach den ersten Takten von Sam Smiths "Writing's On The Wall" (Spotify-Nutzer können ihn hier  hören). Heute veröffentlicht, heiß erwartet wie alle Bond-Songs. Die Streicher und Bläser eines großen Orchesters türmen jene Akkordfolgen auf, die seit über 50 Jahren signalisieren: Achtung, Bond-Song! Auch das Klavier, das dann einsetzt, geht noch. Erst Drama, nun Thema.

Doch als Smiths Stimme anhebt, ist der Zauber vorbei: "I've been there before", singt Smith, "But always hit the floor/ I've spent a lifetime running/ And I always get away". Wenn er sich da mal nicht täuscht. Mit diesem Song wird er nicht durchkommen. Ist es das Tremolo in der Stimme? Die Mühe, die Smith sich gibt? Das Zuviel an Dynamik?

Smith versuchte, die Erwartungen zu dämpfen

Alle großen Bond-Songs lebten von einer Mischung aus verkommenem Glamour und Coolness. Nichts davon findet sich hier. "Writing's On The Wall" ist näher am Eurovision-Songcontest als am Agenten ihrer Majestät. Und der ESC ist ein Wettbewerb, bei dem die Briten ja seit vielen Jahren zuverlässig den letzten Platz machen.

Smith versuchte die Erwartungen im Vorhinein zu dämpfen und sagte in einem Interview mit der BBC, er glaube nicht, dass das Lied "Nummer-Eins-freundlich" sei. Das dürfte eine hoffnungsvolle Untertreibung sein.

"Writing's On The Wall" ist einer dieser Was-haben-sie-sich-bloß-dabei-gedacht-Momente, von denen es in der langen Geschichte des Bond-Songs ja einige gibt, vor allem in den vergangenen Jahren. Immerhin: so schlimm wie Chris Cornells "Casino Royal"-Stück "You Know My Name" oder "Another Way To Die", das Duett von Alicia Keys und Jack White zu "Ein Quantum Trost", ist "Writing's On The Wall" dann doch nicht. Aber eben auch nicht viel besser.

Ist ja auch schwierig, einen guten Bond-Song zu schreiben. Auf jedem Künstler, der es versucht, lastet die Geschichte dieser Lieder, und man muss schon Adele sein (die "Skyfall" machte, den großartigen letzten Bond-Song), um das Selbstbewusstsein zu haben, sich gleichzeitig in die Ahnengalerie dieser Lieder eintragen zu können, dabei den historischen Vorbildern Rechnung zu tragen und trotzdem noch einen eigenen Akzent zu setzen. Nur ein Orchester in der richtigen Stimmung dräuen zu lassen, bringt es eben nicht.

Bond als Reflexion des westlichen Männerbildes

Dabei hatte der erste Bond-Film noch gar keinen Song - dafür gab es John Barrys unsterbliches "Bond Theme", das bis heute die Stimmung für den Bond-Song vorgibt. "James Bond jagt Dr. No" war das, er hatte in der gleichen Novemberwoche des Jahres 1962 seine Premiere, in der auch die erste Beatles-Single "Love Me Do" erschien.

Was passt: Mit diesem Doppelschlag befreiten sich die Engländer aus ihrer postimperialen Depression und fingen an, den Verlust ihres Weltreiches durch die Herrschaft in den virtuellen Welten der Popkultur zu kompensieren. Genauso global, nur friedlich. Mit dem letzten großen Sieg, dem über Deutschland und den Superbösewicht aus dem Führerbunker als ewigem Referenzrahmen.

So gesehen ist die Frage: "Was haben sie sich dabei bloß gedacht?" nicht unwichtig. Bond reflektierte und reflektiert das Männerbild der westlichen Welt. Kernig und glamourös bei Sean Connery. Postmodern bei Roger Moore. Ratlos bei Pierce Brosnan. Muskulös und verletzlich bei Daniel Craig. Wo steht Bond jetzt?

Tatsächlich tobte in den britischen Medien in den vergangenen Wochen ein interessanter Streit darüber, wer die Nachfolge von Daniel Craig als Bond-Darsteller übernehmen könnte, wenn Craig einmal nicht mehr will.

Craig selbst hatte vor Jahren in einem Interview gesagt, er könne sich gut einen schwarzen Bond vorstellen, Idris Elba könne ihn gut spielen. Anthony Horowitz, Autor des neuen Bondromans "Trigger Mortis" sagte nun, Elba sei zu "street" für die Rolle - was als höfliche Umschreibung für "zu schwarz" verstanden wurde und deshalb für erbitterten Streit sorgte, Horowitz ruderte dann auch rasch zurück und sagte, er habe nicht gemeint, Elba habe die falsche Hautfarbe, wenn man sich seine bisherigen Rollen anschaue sei er schlicht als Schauspielertyp für die Rolle des 007 ungeeignet.

Nun ist Sam Smith einer der prominentesten offen schwulen Stars Großbritanniens. "In The Lonely Hour", sein bislang einziges und Grammy-prämiertes Album, dreht sich um die unerwiderte Liebe zu einem anderen Mann.

Will man aus "Writing's On The Wall" also unbedingt etwas anderes ableiten, als dass der Song zu den schwächeren Bond-Songs gehört, könnte man sagen: Einen schwarzen James Bond zu akzeptieren, ist noch schwierig. Einen schwulen James-Bond-Song-Sänger nicht mehr.

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