Samantha Mumba Britneys schlimmster Alptraum

Britney Spears ist ein Popstar, weil sie weiß, wann man welches T-Shirt anzieht, zu welchen Themen man den Mund aufmacht und wie man sich auf der Bühne richtig bewegt. Besser singen kann Samantha Mumba, und jünger ist sie auch - wird die 18-jährige Irin die nächste Teenqueen-Sensation?

Von Stéfan Picker-Dressel


Pop-Queen-Export aus Irland: Samantha Mumba

Pop-Queen-Export aus Irland: Samantha Mumba

Louis Walsh hatte einen schlechten Tag. Wenn die Dinge nicht so laufen, wie er es möchte, kann der Erfolgsmanager, der die irischen Bands Boyzone und Westlife entdeckt und unter Vertrag genommen hat, ganz schön grantig werden. Am liebsten hätte er sich zu Hause vor den Kamin gesetzt und ein gutes Glas Whiskey getrunken. Aber da war noch diese Verabredung in einem Dubliner Club. Ein Freund wollte ihm eine einheimische Sängerin zeigen, ein 15-jähriges junges Ding, das an diesem Abend dort auftrat. Na gut, sagte sich Walsh, ein Schluck - und dann nichts wie nach Hause auf die Couch.

Doch Walsh sollte der letzte Gast an diesem Abend sein, und zu trinken gab es am Ende keinen Whiskey, sondern Champagner. Noch am selben Abend hatte Irlands wichtigster Manager für Popmusik einen Vertrag mit jenem Mädchen namens Samantha Mumba gemacht, die da in Begleitung ihrer Mutter schüchtern neben ihm stand und an ihrem Glas nippte. Als Samantha zuvor auf der Bühne "Killing Me Softly" gesungen hatte, soll Walsh sogar Tränen in den Augen gehabt haben.

Auf Kollisionskurs mit Britney & Co.: "Die amerikanischen Sängerinnen sehen alle gleich aus"

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Das ist jetzt knapp zwei Jahre her. Inzwischen hat die mittlerweile 18-Jährige die halbe Welt mit ihren Songs, einer zuckersüßen Mischung aus balladeskem R&B und schneidigem Pop, überrollt. Sogar Amerika ist ins Samantha-Mumba-Fieber gefallen. Ihre Single "Gotta Tell You" war letztes Jahr in halb Europa in den Top Ten und kletterte in den US-Billboard-Charts bis auf Platz fünf. Das ist vor ihr keinem irischen Künstler mit einer Debütsingle gelungen - schon gar keiner Minderjährigen. Am 12. März erscheint das nach ihrer ersten Single betitelte erste Album der dunkelhäutigen Irin, und Branchenkenner prophezeien dem Dutzend Soulsongs schon jetzt Megaseller-Qualitäten, die mühelos die Pole Position der weltweiten Hitparaden knacken und Louis Walsh wieder einmal seine gute Nase bestätigen werden.

Was aber ist dran an dem schmallippigen Mädchen, deren Namen sich Fans in Übersee angeblich schon auf Arme und Brust haben tätowieren lassen? Samantha Mumbas Erfolg nur damit zu erklären, dass sie im Fahrwasser von Teenie-Ikonen wie Britney Spears und Christina Aguilera schwimmt, wäre zu einfach. Tatsächlich kann die Irin singen - nicht nur auf Platte mit jeder Menge elektronischer Stimmverstärker, sondern tatsächlich auch live. In heutigen "Big Brother"-Zeiten ein Attribut, das nicht immer an erster Stelle stehen muss, um Platten zu verkaufen.

Aber es gibt noch etwas weitaus Wichtigeres: die "Credibility". Bei den Kids der "New Black Generation" ist Samantha Mumba eine Hoffnungsträgerin und wird mit ihrer Musik ernst genommen - eben weil sie schwarz ist. Die 19-jährige Britney Spears, das ewig beschriebene All-American-Girl, macht da als Identifikationsfigur nicht viel her. "Die amerikanischen Sängerinnen sehen alle gleich aus", sagt auch Mumba selbst. "Blond, blauäugig und immer gut drauf. Ich bin die Erste, die das genaue Gegenteil ist. Ich bin ein eigener Typ. Und ich habe auch eine eigene Meinung, die ich mir nicht verbieten lasse." Solche Sprüche kommen an bei jungen Mädchen, die noch etwas orientierungslos nach ihren eigenen Zielen suchen.

Mumba-Debütalbum "Gotta Tell You"

Mumba-Debütalbum "Gotta Tell You"

Daran, dass es so gekommen ist, hat ihre Mutter nicht wenig Anteil. Schon mit drei Jahren steckte sie ihre Tochter auf die Billie Barry Stage School in Dublin. Dort wurde Samantha bis zu ihrem 15. Lebensjahr auf Star getrimmt. Die Schule gilt als Talentschuppen, die Schüler werden gerne für Rollen in TV-Shows, Musicals und Theater gebucht. Zu Hause sammelte Mutter Mumba Zeitungsausschnitte ihrer Tochter - Titelgeschichten wurden zur Motivation des Mädchens an die Wand geheftet. "Was blieb mir da anderes übrig, als es zu schaffen", sagt Samantha Mumba. "Alles andere wäre auch für Mutter eine Enttäuschung gewesen."

Geschafft hat sie es jetzt. Vom ersten Geld als Star hat sie sich ein Apartment in Dublins Innenstadt unweit von zu Hause gekauft. Auch die Präsenz in den US-Charts trägt erste Früchte. Bei der geplanten Neuverfilmung von H.G. Wells' Science-Fiction-Roman "Die Zeitmaschine", einer Produktion von Steven Spielbergs Dreamworks-Studios, soll Samantha die weibliche Hauptrolle spielen.

Aber auch mit den Schattenseiten des Ruhmes hat sie schon Bekanntschaft gemacht. Zuerst behauptete ein irrer 38-Jähriger via Zeitung, ihr Bruder zu sein, dann dichteten ihr die irischen Heimatblätter innerhalb einer Woche zuerst eine Affäre mit Manager Louis Walsh, dann mit 2Step-Star Craig David an. "Als ich das mit Louis las, habe ich gelacht", sagt Mumba. "Bei Craig David musste ich allerdings heulen. Warum ausgerechnet Craig, den Kerl kann ich nicht ausstehen! Sie hätten mir wenigstens eine Affäre mit Robbie Williams anhängen können"

Samantha Mumba: "Gotta Tell You" (Wildcard/Polydor/Universal); Veröffentlichung am 12. März 2001.



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