Shakira in Hamburg "Die Deutschen sind sehr engagiert"

Popstar Shakira trat auf dem G20-Protest-Musikfestival in Hamburg auf und engagiert sich für weltweite Bildung. Hier erklärt die Kolumbianerin, warum Künstler aktiv werden sollen.

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Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Shakira, zum Start des G20-Gipfels in Hamburg haben Sie gemeinsam mit Coldplay-Sänger Chris Martin das Protestfestival "Global Citizen" eröffnet und mehrere Duette mit ihm gesungen. Wie kam es dazu?

Shakira: Unsere Songs zusammen zu singen, war seine Idee, er hatte das erst kurz vor dem Konzert vorgeschlagen. Mich hat das überrascht, denn ich wusste nicht, dass Chris meine Musik mag. Coldplay ist eine meiner Lieblingsbands. Ich habe mich gefühlt wie ein kleines Mädchen im Süßwarenladen.

SPIEGEL ONLINE: Wie war die Stimmung auf diesem Popfestival mit Polit-Touch?

Shakira: Die Deutschen sind sehr engagiert, das ist toll zu sehen. Ich hatte auch Gelegenheit, darüber zu sprechen, wie wichtig es ist, hier beim G20-Gipfel die reichen Länder zu drängen, mehr in weltweite Bildung zu investieren. Das Publikum schien wirklich interessiert zu sein an dem, was ich, die Premierministerin von Norwegen und Gordon Brown zu sagen hatten. Die jungen Deutschen scheinen solche Themen ernst zu nehmen.

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Shakira in Hamburg: Die Pop-Botschafterin

SPIEGEL ONLINE: Können Protestkonzerte wie "Global Citizen" etwas ausrichten?

Shakira: Ja, das glaube ich. Wenn die Menschen diskutieren, wenn wir über die Themen reden, die wichtig für uns sind, werden die Politiker folgen. Aber wir müssen den Anfang machen und immer mehr werden.

SPIEGEL ONLINE: Haben Popstars dazu eine moralische Verpflichtung?

Shakira: Ja, denn die Menschen hören uns zu. Wir haben Zugang zur Presse, uns folgen Millionen Menschen in den sozialen Medien. Mit unserer Meinung haben wir Macht - sie kann ein Werkzeug sein, Themen auf die Agenda von Politikern zu setzen.

SPIEGEL ONLINE: Wenige Hundert Meter Luftlinie von hier sitzen in diesem Moment die Regierungen der 20 führenden Nationen zusammen. Was sollte ihr wichtigstes Thema sein?

Shakira: Ich möchte, dass bis 2030 weltweit jedes Kind Zugang zu Bildung bekommt. Nur damit kann man die Not in armen Ländern aufbrechen. Diese Möglichkeit fehlt momentan 263 Millionen Kindern, und weitere 400 Millionen werden die Schule um ihren zehnten Geburtstag herum beenden. Das ist verrückt, wir können uns das nicht leisten. Wir müssen handeln.

SPIEGEL ONLINE: Aber wie?

Shakira: Es gibt durchaus Möglichkeiten. Hier in Hamburg überreichen wir eine Petition, mit der 145.000 Menschen die G20 auffordern, den globalen Bildungsfonds Education Cannot Wait zu unterstützen. Dieser Fonds könnte armen Ländern helfen, für Chancengleichheit für nachfolgende Generationen zu sorgen.

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"Global Citizen"-Konzert vor G20: Das Gute leben

SPIEGEL ONLINE: Hat Ihr Interesse an Bildungspolitik auch persönliche Hintergründe?

Shakira: Natürlich, ich bin in Kolumbien geboren und aufgewachsen. Ich habe viele soziale Unruhen miterlebt, die Chancenungleichheit und die enorme Schere zwischen arm und reich. Irgendwann habe ich verstanden, dass die Missstände dort daran liegen, dass die Kinder keinen Zugang zu Bildung haben. Ohne Bildung gibt es keine gleichen Chancen, sie ist der große Gleichmacher. Sie gibt jedem die Chance, sein Leben zu verändern. Also habe ich schon mit 18 Jahren eine Stiftung gegründet, die das ändern soll.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt viele solcher Stiftungen, die Schulen in Entwicklungsländern bauen.

Shakira: Es reicht aber nicht, vier Wände und ein paar Bücher zur Verfügung zu stellen. Es gibt Kinder, die aus einem gewalttätigen Umfeld kommen, andere mussten mit ihren Familien flüchten. Ich habe in den 20 Jahren dieser Arbeit gelernt, dass man sich auch um die Familien kümmern und schon in den ersten fünf Lebensjahren ansetzen muss, wenn die Gehirne der Kinder noch im Wachstum sind und sich neuronale Pfade formen.

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SPIEGEL ONLINE: Sind Sie optimistisch, was den Hamburger Gipfel angeht?

Shakira: Ich denke, die Menschen verstehen mehr und mehr, wie wichtig die Themen sind, die dort besprochen werden. Insofern sind wir auf einem ganz guten Weg. Aber es gibt noch viel zu tun. Auch für Länder wie Deutschland. Nicht nur im Interesse der armen Länder - auch im eigenen Interesse einer friedlichen Welt. Viele Menschen sind wütend, dass sie nicht die gleichen Chancen bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Viele der wütenden Protestler sehen im globalen Kapitalismus das schlimmste Übel. Sehen Sie das auch so?

Shakira: Ich kann nicht sagen, was das größte Übel der Welt ist. Ich weiß nur, dass Ungleichheit schlimm ist. Und schlimm ist auch, wenn wir unser Leben unbeirrt vom Leid der anderen verbringen.



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multimusicman 07.07.2017
1. Ich Gegensatz zum ersten Kommentatoren
Finde ich das Interview recht gut, und dass ein Star wie Shakira sich für andere einsetzt, speziell für Bildung bringt, sicherlich mehr als ein miesepetriger, beleidigender Kommentar. Shakira erreicht mit ihrer Musik eher Menschen ab 13- Mitte Zwanzig und die sind gerade durch ihre Lieblingsstars zu erreichen, nicht nur vom Outfit sondern auch von dem was sie sagen. Wenn man keine Ahnung hat besser mal den Mund halten und die eigene, kleine Beschränktheit einfach mal für sich behalten
ein-berliner 07.07.2017
2. Ehrlich?
Auf welchen Kommentar beziehen Sie sich? Sie können scheinbar in die Zukunft sehen. So ein Popsternchen incl. der anderen Jodelkünstler sind selbstverständlich Meinungsbildner für sinnfreie Jugendliche, natürlich ist deren Outfit ebenso extrem wichtig für die Menschwerdung.
rantzau 07.07.2017
3. Bezog sich auf mich
Zitat von ein-berlinerAuf welchen Kommentar beziehen Sie sich? Sie können scheinbar in die Zukunft sehen. So ein Popsternchen incl. der anderen Jodelkünstler sind selbstverständlich Meinungsbildner für sinnfreie Jugendliche, natürlich ist deren Outfit ebenso extrem wichtig für die Menschwerdung.
aber freie Meinung ist ja nicht mehr so ganz die Stärke hier. Ich finde es auch super toll, daß ein Popsternchen uns Deutsche lobt. Danke, Shukran, Shakira!!!!
andy_bcn 07.07.2017
4. Konstruktiv
Was Shakira und andere Musiker tun, ist konstruktiv. Was die Randalierer tun, ist ohne Ausnahme negativ. Autos verbrennen und Einzelhandelsgeschäfte zu zerstören fügt normalen, arbeitenden Mitbürgern Schaden zu, ändert aber gar nichts in der Welt zum positiven. Dann auch noch zu behaupten, dass dies die Schuld der Politiker sei, wie es SPON im Leitartikel tut (ohne Forum, natürlich), grenzt an Apologie der Gewalt. Friedliche Proteste sind ein demokratisches echt, Zerstörung bringt niemandem etwas.
ein-berliner 08.07.2017
5. Sorry
Zitat von andy_bcnWas Shakira und andere Musiker tun, ist konstruktiv. Was die Randalierer tun, ist ohne Ausnahme negativ. Autos verbrennen und Einzelhandelsgeschäfte zu zerstören fügt normalen, arbeitenden Mitbürgern Schaden zu, ändert aber gar nichts in der Welt zum positiven. Dann auch noch zu behaupten, dass dies die Schuld der Politiker sei, wie es SPON im Leitartikel tut (ohne Forum, natürlich), grenzt an Apologie der Gewalt. Friedliche Proteste sind ein demokratisches echt, Zerstörung bringt niemandem etwas.
Ich kann nichts, absolut nichts konstruktives an den Labertaschen von Musikern finden. Wo waren die denn, etwa auf den Barrikaden oder haben sie sich als aktive Feuerlöscher beträgt? In einem Punkt bin ich aber bei Ihnen, natürlich sind die Politiker Schuld, welche die ihre Polizisten verheizen.
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