Soul-Legende Lou Rawls ist tot

Der amerikanische Soul-Star Lou Rawls ist im Alter von 72 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Der Sänger mit der Samtstimme wurde in den fünfziger und sechziger Jahren unter anderem als Gesangspartner seines Schulfreundes Sam Cooke bekannt und gewann drei Grammys.


New York - Dem Tod ist Lou Rawls schon einmal, ganz am Anfang seiner Karriere, von der Schippe gesprungen: Als er 1958 gemeinsam mit Sam Cooke und seiner Band The Travelers auf Tournee durch die Südstaaten der USA war, gerieten die Musiker in einen schweren Autorunfall. Cooke erlitt nur leichte Verletzungen, aber sein alter Schulkamerad Rawls, damals 23, wurde auf dem Weg ins Krankenhaus bereits für tot erklärt. Fünfeinhalb Tage lag er im Koma; ein ganzes Jahr brauchte er für die Rekonvaleszenz.

Sänger Rawls (2001): "Das volle Spektrum drauf"
REUTERS

Sänger Rawls (2001): "Das volle Spektrum drauf"

Nach dieser Nahtoderfahrung wandte sich der bis dato fromme Gospelsänger Rawls der weltlichen Jazzmusik zu und wurde 1962 in Kalifornien von einem großen Plattenlabel entdeckt. Sein Debüt-Album "Stormy Monday", eine Sammlung von Jazz-Standards, die der Sänger aus Chicago mit samtener Stimme eingesungen hatte, legte den Grundstein für eine internationale Karriere als R&B- und Jazz-Interpret. Zu seinen bekanntesten Hits gehören die Klassiker "Your Good Thing (Is About to End)" und "You'll Never Find Another Love Like Mine" von seinem Platin-Album "All Things In Time" (1976).

Auf ein Genre festzulegen war Rawls nie. Am bekanntesten war er ohnehin für seine unverwechselbare Stimme, die unter anderem als "süß wie Zucker, weich wie Samt, stark wie Stahl und schmelzend wie Butter" beschrieben wurde. "Ich habe das volle Spektrum drauf, Gospel, Blues, Jazz, Soul und Pop", sagte er einmal über sich selbst.

In den siebzigern probierte er sich als Disco-Sänger, kehrte immer wieder zum Blues und R&B zurück und war Mitte der sechziger Jahre einer der ersten Soul-Künstler, die mit gesprochenen Passagen auf der Bühne experimentierten und somit eine Frühform des Raps pflegten. In den achtziger und neunziger Jahren blieb Rawls aktiv und betätigte sich verstärkt als Schauspieler. Er spielte in insgesamt 18 Filmen mit, unter anderem im Alkoholikerdrama "Leaving Las Vegas". Auch in zahlreichen TV-Serien war Rawls zu sehen, darunter in "77 Sunset Strip" und in "Fantasy Island".

Der dreifache Grammy-Gewinner verkaufte im Verlauf seiner mehr als vierzigjährigen Karriere über 40 Millionen Alben.

Auch soziales Engagement war Rawls stets ein Anliegen. So betätigte er sich in zahlreichen Aktionen und Benefiz-Veranstaltungen für den United Negro College Fund zur Stärkung der Bürgerrechte der Afroamerikaner.

Heute erlag Rawls im Alter von 72 Jahren seinem Lungenkrebsleiden, teilte sein Sprecher Paul Shefrin mit. Er starb im Prominenten-Krankenhaus Cedars-Sinai in Los Angeles. Seine 37 Jahre jüngere Frau Nina war an seiner Seite, hieß es.



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