Soulsänger Bobby Hebb Schöpfer des Welthits "Sunny" ist tot

Mit "Sunny" schenkte er der Welt einen der sonnigsten Evergreens des 20. Jahrhunderts - und einen der am häufigsten gecoverten Songs der modernen Musikgeschichte. Am Dienstag starb Bobby Hebb in seiner Heimatstadt Nashville.

Mehr als ein One-Hit-Wonder: Bobby Hebb ist am Dienstagvormittag gestorben.
Herold Hoffmann

Mehr als ein One-Hit-Wonder: Bobby Hebb ist am Dienstagvormittag gestorben.


Hamburg - Bobby Hebb war betrunken, als ihm der Song in den Sinn kam, der ihm eine Weltkarriere bescherte. Am Vortag hatte die Ermordung John F. Kennedys die Welt erschüttert und Hebbs Bruder war einige Wochen vorher bei einem Streit in einer Bar ums Leben gekommen."Ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen, um die Menschen und mich aus diesem Tief herauszuholen". Es ist ihm gelungen: "Sunny" wurde ein Evergreen.

Am Dienstagmorgen ist der Komponist des Welthits nun gestorben. Hebb litt nach Informationen amerikanischer Medien an Krebs. Er starb in Nashville in Tennessee, eine Woche nach seinem 72. Geburtstag.

"Sunny, gestern war mein Leben verregnet", so beginnt der Song, den Hebb 1963, im Alter von 25 Jahren, schrieb. "Sunny, du hast mich angelächelt und meinen Schmerz gelindert." Die Schätzungen, wie viele Coverversionen es von dem Stück gibt, schwanken zwischen 500 und 800. Darunter sind Interpretationen von Frank Sinatra, James Brown, Ella Fitzgerald, Cher, Marvin Gaye und Robert Mitchum. 1976 kletterte auch die deutsche Popgruppe Boney M. mit dem Titel auf Platz eins der deutschen Hitparade.

Doch der Sohn zweier blinder Musiker war mehr als ein "One Hit Wonder". Er spielte mit Bo Diddley und Roy Acuff, er trat im Vorprogramm der Beatles auf und schrieb für Lou Rawls den Black Power-Klassiker "A Natural Man". Bobby Hebb schlug eine Brücke zwischen dem "weißen" Country-Genre und dem "schwarzen" Soul. Und er war einer der ersten Afroamerikaner, der die legendäre Country-Bühne Gran Ole Opry in seiner Heimatstadt Nashville betreten durfte.

Zuletzt arbeitete der Musiker an einer Live-CD. "Wir haben einen echten Gentleman, ein musikalisches Genie und einfach ein wunderbares menschliches Wesen verloren", hieß es auf seiner Website.

twi/dpa

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