Star-Dirigent Trauer um Günter Wand

Einen Monat nach seinem 90. Geburtstag ist der deutsche Star-Dirigent Günter Wand an den Folgen eines Unfalls gestorben. Der langjährige Chef des NDR-Symphonieorchesters wurde vor allem für seine Interpretationen romantischer Klassiker gefeiert.


Hamburg - Der Tod des großen Dirigenten Günter Wand hat Trauer und Betroffenheit ausgelöst. Wand hinterlasse in der Musikwelt eine Lücke, würdigte der Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Jobst Plog, den langjährigen Chef des NDR-Sinfonieorchesters. Das Publikum habe Wand mehr als verehrt, "es hat ihn auch geliebt - in Deutschland und in den großen Konzertsälen der Welt", sagte Plog.

Beliebt für seine Strenge und Unerbittlichkeit: Ehrendirigent Wand (M., im Juli bei der Eröffnung des Schleswig-Holstein Musik Festivals in Lübeck)
DDP

Beliebt für seine Strenge und Unerbittlichkeit: Ehrendirigent Wand (M., im Juli bei der Eröffnung des Schleswig-Holstein Musik Festivals in Lübeck)

Günter Wand war am Donnerstag - gut einen Monat nach seinem 90. Geburtstag - in seinem Wohnort Ulmiz in der Schweiz gestorben. Mit seinen Bruckner-, Schubert- und Brahms-Interpretationen hatte der deutsche Maestro international Anerkennung gefunden. Kurz vor seinem 90. Geburtstag hatte sich der Dirigent bei einem Sturz zu Hause einen Arm gebrochen und sich davon offenbar nicht mehr erholt.

Wand gehörte - obwohl er auf Allüren verzichtete und allein die Arbeit an der Musik in den Mittelpunkt stellte - zu den wenigen deutschen Stars unter den Dirigenten. Doch erst im Alter hatte er internationalen Ruhm erworben. Er war der Letzte des berühmten Dirigentenjahrgangs 1912, zu dem auch Georg Solti und Sergiu Celibidache gehörten. Wands Interpretationen romantischer Musik - vor allem von Bruckner-Symphonien - haben nach Meinung von Kritikern Maßstäbe gesetzt. "Strenge, Unerbittlichkeit der Tempi und geistige Energie" wurden seiner Stabführung attestiert.

Seine ersten Opern dirigierte der am 7. Januar 1912 in Elberfeld geborene Wand zwar schon mit 18 Jahren, doch erst nach seiner Pensionierung als Generalmusikdirektor des Gürzenich Orchesters in Köln 1974 setzte er sich international durch. So feierte er erst 1989 beim Chicago Symphony Orchestra sein umjubeltes Amerika-Debüt. Seine Auftritte füllten Säle, seine Platteneinspielungen wurden von der Fachkritik begeistert rezensiert. Noch im vergangenen Sommer leitete er das gefeierte Eröffnungskonzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Von 1982 bis 1991 war er Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg und blieb bis zuletzt dessen Ehrendirigent.



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