"Stars 2000" Gute-Laune-Gala, die nicht weh tat

Zwölf Jahre musste die Popkomm alt werden, bis sie ihre Zuschauer erstmals live und zur besten Sendezeit im Eurovisions-Fernsehen erreichen durfte. Mit einer guten Mischung publikumswirksamer Pop-Acts gingen die Veranstalter auf Nummer Sicher und machten "Stars 2000" zum netten Abend.


Soulpop im Halbplayback: US-Sängerin Anastacia
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Soulpop im Halbplayback: US-Sängerin Anastacia

Köln - Die Kölner Fachmesse konnte sich am Donnerstagabend in der Fernseh-Show "Stars 2000 - Die Popkomm-Gala" erstmals vor einem europäischen Millionen-Publikum an den Fernsehern feiern lassen.

Wie immer traf sich die Szene der HipHopper, Indie-Gitarristen und Electronic-Freaks zum Popkomm-Eröffnungskonzert im Kölner E-Werk, um dort ohne Kameras und ohne Anspruch einem Publikum von acht bis 80 Jahren gefallen zu wollen. Doch in nächster Nachbarschaft führte Moderatorin Kim Fisher in der Kölnarena durch ein Hit-Programm, das jeden Geschmack traf. Selbst wer es etwas subversiv-humorig mochte, kam bei dem Komödianten Michael Mittermeier auf seine Kosten.

Dem ARD-Millionen-Publikum auf Eurovisionsbasis wurde ein fröhlicher Gute-Laune-Abend beschert, der nicht wehtat, aber vermutlich auch nicht vermisst worden wäre - außer von den Popkomm- Verantwortlichen. Für die war der Auftritt zur besten Fernsehzeit eine angenehme Möglichkeit, "der breiten Öffentlichkeit den hohen Unterhaltungswert der Popkomm zu präsentieren", wie Geschäftsführer Uli Großmaas zuvor äußerte. Immerhin 2,7 Millionen Zuschauer sahen die Popkomm-Gala - eine Einschaltquote von 10,7 Prozent.

Die Mischung der verschiedenen Stars machte die Veranstaltung zu einer sicheren Angelegenheit. Die Band Echt führte mit "Junimond" in ein Programm ohne Kanten und Ecken. Dann rissen die Teenie-Stars ATC das Publikum von den Stühlen. Die italienische Band 883 legte fröhlichen Italo-Pop hin und der 14-jährige Bryton erinnerte an den jungen Michael Jackson und durfte gerührt einem Ständchen des Publikums zu seinem 14. Geburtstag lauschen.

Die Newcomer Reamonn sorgten mit ihrem Hit "Supergirl" bei Freunden gefälliger Rockmusik für Begeisterung. Mit ihrem Bombastrock steuerte die wieder vereinte Band a-ha etwas fürs Gefühl bei. Melanie C ließ die Spice Girls nicht vermissen und Rock-Haudegen Peter Maffay forderte lautstark "Rette mich". Michael Mittermeier lästerte gewohnt bissig über das deutsche Rhythmusgefühl beim Stechschritt, den deutschen HipHop, Britney Spears oder Viva- und MTV-Moderatorinnen. Sasha und die amerikanische Sängerin Anastacia ("I'm Outta Love") rundeten den netten Abend ab.

An neue Trends wagte sich die Gala natürlich nicht heran. Sie war eher eine Bestandsaufnahme dessen, was sich zurzeit in Europa in höchsten Stückzahlen verkauft. Die Show, eine Verknüpfung von MTV-und Viva-Ästhetik mit dem Flair betulicher Samstagabend-Familienshows, zeigte vor allem eins: Die Pop-Zielgruppe wird allmählich älter. Nicht mehr allein die jugendliche Taschengeld-Fraktion, sondern zunehmend die 30- bis 40-Jährigen haben immer größeren Einfluss darauf, wer als Popmusiker kommerziellen Erfolg hat und wer nicht. Die Gala "Stars 2000" war deshalb die konsequente Umsetzung dieses Trends, für den die sonst am Rande der Popkomm stattfindende Comet-Preisverleihung an die Expo in Hannover abgegeben wurde.



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