Start von MTV Arabia Pimp my Turban

Amerikanischer geht's fast nicht - das ist trotz aller regionalen Unterschiede das globale Image von MTV. Jetzt ist der Sender mit einem arabischen Kanal an den Sendestart gegangen - und setzt dabei auf ein biederes Konzept.


Dubai - Die drei Männer hatten gestern einen schwierigen Job. Der US-Rapper Ludacris, der im Senegal geborene US-Soulstar Akon und der im Libanon geborene Rapper Karl Wolf aus Kanada sollten ein sehr amerikanisches Produkt erfolgreich in einen arabischen Markt bringen. Vergangene Nacht ging MTV Arabia mit einer zuvor aufgezeichneten Show erstmals auf Sendung - und die drei Stars sollten für den nötigen Glamour sorgen.

Senderlogo von MTV Arabia, Dubai Media City: äußerst hart umkämpfter Markt
AP

Senderlogo von MTV Arabia, Dubai Media City: äußerst hart umkämpfter Markt

Der Schritt in den arabischen Kulturraum ist für MTV nur konsequent, zur Senderfamilie gehören mittlerweile mehr als 130 Kanäle weltweit. Ganz unproblematisch dürfte sich die jüngste Expansion dennoch nicht gestalten. Als MTV nach Europa oder Indien kam, fehlte oftmals jegliche Konkurrenz. Mit MTV Arabia steigt man dagegen in einen äußerst hart umkämpften Markt ein. Mehr als dreißig verschiedene Sender buhlen um die Gunst der rund 190 Millionen jugendlichen Zuschauer in der arabischen Welt.

Der neue Sender hat seine Strategie den vermeintlichen Bedürfnissen des Publikums angepasst, indem er eine Nische besetzt. Er spezialisiert sich vornehmlich auf Hip Hop und R'n'B, zwei Musikstile, die, so heißt es dort, von der Konkurrenz nur unzureichend abgedeckt worden seien - unter anderem, weil sie als zu amerikanisch gelten. Beim Sender hält man das für Unsinn. "Wir haben die Marke geschaffen, indem wir genau auf die Bedürfnisse unserer Konsumenten gehört haben", hält Abdullatif al-Sayegh, Chef der Arab Media Group, den Skeptikern entgegen.

Ganz der Magie der Musik vertrauen will man allerdings nicht: Der neue Kanal wird diverse Reality-Formate zeigen. Auch eine arabische Version der Auto-Tuning-Show "Pimp my Ride" soll es geben. Und schließlich schneidet man aus internationalen Clips alle Nackt- oder Bettszenen heraus.

Ein bisschen Musik, ein bisschen Reality-Soap, ein bisschen Auto und ein bisschen prüde. Ein sehr amerikanisches Produkt eben.

tdo/AP



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