Stephen Malkmus Verspieltes Chaos, lakonischer Singsang

Groß war das Gejammer, als die Rockband Pavement ihre Auflösung bekannt gab. Ohne Grund, denn Sänger Stephen Malkmus macht nun alleine weiter - und alles klingt genau wie vorher. Schade eigentlich...

Von Katrin Meinke


Solo-Album: "Pavement klangen zum Ende hin immer mehr nach mir"

Solo-Album: "Pavement klangen zum Ende hin immer mehr nach mir"

Ob gewollt oder nicht: Pavement waren die Erfüllung des US-amerikanischen College-Rock. Über die gesamten neunziger Jahre hinweg versorgte die im sonnigen Kalifornien ansässige Band die Campus-Jugend mit Gitarrengeschrammel, klugen bis kryptischen Texten, Krachexplosionen und schönen Melodien. Kein Wunder also, dass die Bestürzung groß war, als Pavement im vergangenen Jahr ihre endgültige Auflösung bekannt gaben. Ein nicht zu stopfendes Loch schien sich aufzutun im musikalischen Underground. Doch schon naht Hilfe, denn Stephen Malkmus, Sänger, Gitarrist und Songschreiber von Pavement, hat sich selbständig gemacht.

Die gleichen perlenden Gitarren, dasselbe verspielte Chaos und der gleiche lakonische Singsang - Stephen Malkmus klingt (wenig überraschend) haargenau wie Pavement. "Ich weiß, ich weiß," seufzt der Verantwortliche hinter strähnigen Haaren und hängenden Lidern, die dem 34-Jährigen den Anschein von Dauerermattung verleihen: "Was soll ich sagen, Pavement klangen zum Ende hin immer mehr nach mir. Ich schrieb die Songs, und ich bestimmte den Sound. So ist das auch mit The Jicks."

The Jicks - wieder so eine typische Wortkreation, die Malkmus zufolge die niedersten Menschen auf Erden bezeichnet - ist die neue Begleitband des Sängers, bestehend aus der Bassistin Joanna Bolme und dem Schlagzeuger John Moen. Mit The Jicks also führt der musikalische Mastermind die alte Pavement-Tradition fort, diktatorisch über die Geschicke von Musik und Band zu entscheiden. Es sei gut, beteuert Malkmus, eine genaue Vorstellung davon zu haben, wie eine Band klingen solle. Die Alternative seien endlose und meist nervtötende Gruppendiskussionen.

"Wir hatten keinen Spaß mehr..."

Musiker Malkmus: "Wir waren abgeflaut"
Moses Berkson

Musiker Malkmus: "Wir waren abgeflaut"

Die gab es auch bei Pavement nicht, deren Mitglieder sich zum Ende hin immer mehr dem Frontmann unterzuordnen schienen. Der überschäumende Enthusiasmus der Band war auf den letzten beiden Alben (das '97er "Brighten the Corners" und "Carrot Rope" von '99) kaum mehr zu hören. "Pavement war für jeden von uns nur noch ein Job. Wir hatten keinen Spaß mehr, wir waren abgeflaut," so Malkmus. Hinzu kam ein Kommunikationsproblem, bedingt durch die geografische Streuung der Musiker quer über die Vereinigten Staaten. Das hat sich nun erledigt, denn The Jicks sind nicht nur Freunde sondern auch Nachbarn des Sängers aus Portland, Oregon.

Stephen Malkmus scheint, befreit vom Pavement-Ballast, die Freude an der Musik zurückgewonnen zu haben. Lang klang er nicht mehr so ausgelassen wie in "Phantasies" und im Piratenlied "The Hook", so komisch wie im "Piano Intro" und so versponnen wie im rätselhaften Einstiegssong "Black Book". Trotzdem: Alles schon mal bei Pavement gehört. Und welcher Zeitpunkt hätte sich mehr für eine musikalische Neuorientierung angeboten als der Abschied von seiner alten Jugendband?

Doch davon will er nichts wissen, der kopflastige Möchtegern-Rocker: Sehr wohl habe er sich das überlegt, etwa die elektronischen Intros auszubauen, die er als Soundschnipsel zwischen die Songs seines Solo-Debüts gesetzt hat. Hunderte will Malkmus davon angehäuft haben. Auch etwas in der Art Singer-Songwriter sei in die engere Auswahl gekommen. "Doch das wäre einfach nicht ich gewesen," meint Malkmus. "Ich fühle mich immer noch meinen alten Helden verbunden, den Rolling Stones, Velvet Underground, AC/DC. Ich bin wie besessen davon, sie auf meine Art und Weise zu aktualisieren." Das immerhin ist Stephen Malkmus ganz wunderbar gelungen, etwas weiter reichende Ambitionen wären aber auch nicht schlecht gewesen.

Stephen Malkmus: "Stephen Malkmus" (Matador/Virgin), veröffentlicht am 12. Februar 2001



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