Sven Väth Techno für die Welt

Deutschlands liebster DJ legt nicht nur sein neues Album vor, sondern repräsentiert neuerdings auch für das Goethe-Institut deutsche Kultur im Ausland.

Von Hannes Höttl


Deutschlands Tanzbotschafter Sven Väth
Virgin Records

Deutschlands Tanzbotschafter Sven Väth

Welche Beziehung er denn zu Goethe habe, wurde Sven Väth unlängst gefragt. "Ich gehe jeden morgen bei Goethe um die Ecke frühstücken", fiel dem Star-DJ spontan ein. Kultur geht durch den Magen. Der Konsum von Mozartkugeln dürfte auch um einiges größer sein als der von Mozarts Musik. Das Goethe-Institut, dessen Aufgabe es ist, sich im In- und Ausland um deutsche Sprache und Kultur zu kümmern, wirkt diesem beklagenswerten Zustand entgegen. Die Behörde hat sich mit DJ Sven Väth als Sprachrohr für Deutschland verbündet.

Die 'Technokultur' hat den ungeheuren Vorteil, dass sie zwar deutsch, aber trotzdem sprachlos ist. Diese Kulturbotschaft kann von jedem verstanden werden, der in der Lage ist, Schallwellen aufzunehmen. Spaß und Kultur gleich Spaßkultur? Oder doch eher ein Kulturspaß? Für Väth ist es eher ein Kulturdefizit Deutschlands: "Bei vielen Leuten in meinem Alter hat Musik kaum noch einen Stellenwert. Da kommt erst Familie, Beruf, Wie plane ich meine Zukunft, Sicherheiten und so weiter. Das ist schade. In unserer Kultur ist Tanzmusik nicht so verwurzelt, wie es bei den Südamerikanern, Afrikanern oder Asiaten der Fall ist. Bei uns überlässt man es der Jugend zu tanzen und kümmert sich um andere Dinge."

"Bei vielen Leuten in meinem Alter hat Musik kaum noch einen Stellenwert"
Virgin Records

"Bei vielen Leuten in meinem Alter hat Musik kaum noch einen Stellenwert"

Aber trotz - oder wegen - der teutonischen Steifheit waren deutsche Künstler auf dem Gebiet der elektronischen Musik stets führend. Namen wie Stockhausen, Tangerine Dream und Kraftwerk sind international geläufig. Die Arbeit von Sven Väth steht zweifellos in dieser Tradition. "Ich sehe mich seit längerer Zeit als Kulturbotschafter", sagt er. Stärker als bisher hat Väth sich für sein neues Album "Contact" von Deutschlands elektronischer Musikvergangenheit inspirieren lassen: "Die Amis beziehen sich auf ihren Rock'n'Roll-, Blues-, Soul- und die Engländer auf ihre Beatles-Pop-Geschichte. So können wir uns auch ganz locker auf unsere elektronische Geschichte zurückblicken und sagen: 'Hey, da haben wir was bewegt'."

Das sehen die Goethe-Institute genauso. Nach ihrer Meinung trägt auch die Populärkultur dazu bei, das Ansehen Deutschlands im Ausland zu fördern. So wurde beispielsweise eine Kooperation des Goethe-Institutes in Singapur mit Sven Väth organisiert. Als erster westlicher DJ war er für eine Techno-Party in Singapurs größtem Club "Zouk" gebucht. Um diesem Novum die größte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, unterstützte das Goethe-Institut u.a. die Werbemaßnahmen für diesen Event. Für den Leiter des Goethe-Institutes Singapur, Dr. Heinrich Blömeke, ein hoffnungsvoller Aspekt seiner Arbeit: "Die Wirkung im Ausland, sowie die künstlerische Arbeit von Sven Väth, schätzen wir positiv ein." Bei aller diplomatischen Zurückhaltung ist das quasi ein Ritterschlag der "Kultur-Aufsichtsbehörde" für Väth. Konsequenterweise sollten dann auch bald Rhetorikkurse mit Verona Feldbusch eingeplant werden.

Sven Väth, "Contact", Virgin Records, im Handel ab dem 27.03.2000



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.