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Nachruf Teresa Berganza, 89

aus DER SPIEGEL 21/2022
Foto: Oscar Gonzalez / NurPhoto / picture alliance

Herbert von Karajan beschrieb sie mal als die »Carmen des Jahrhunderts«. Tatsächlich verstand die spanische Mezzo­sopranistin ihre makellose Technik mit einer spielerischen Leichtigkeit zu verbinden, die sie in der Oper Georges Bizets brillieren ließ: Die Empathie, die sie selbst der leidenschaftlichen Carmen entgegenbrachte, sprang in ihren besten Mo­menten auf das Publikum über. Maria Teresa Berganza Vargas wurde 1933 in Madrid geboren. Ursprünglich wollte sie Ordensschwester werden, dann studierte sie in der spanischen Hauptstadt Orgel und Klavier und wechselte später zum Gesang. Ihr Operndebüt gab sie 1957 in »Così fan tutte«. Besonders Partien von Rossini und Mozart, den die religiöse Sängerin mal als »ihren Messias« bezeichnete, begründeten ihren Aufstieg an die Spitze neben Stars wie Maria Callas. Auch in Stücken von Händel, Monteverdi und Purcell glänzte sie. 1995 wurde Berganza nach spanischen Künstlerstars wie Picasso oder Dalí als erste Frau in die Königliche Akademie der Schönen Künste von San Fernando in Madrid aufgenommen. Erst zu ihrem 80. Geburtstag räumte sie selbst mit einem verbreiteten Irrtum auf: Enzyklopädien, aber auch die Deutsche Grammophon in einer Jubiläumskollektion hatten Berganza über lange Zeit zwei Jahre jünger gemacht. Nicht sie selbst habe aber den Fehler in die Welt gebracht, so die Sängerin damals, schon gar nicht aus Eitelkeit. Der Irrtum gehe auf einen sim­plen Schreibfehler zurück. Ber­ganza starb am 13. Mai in der Kleinstadt San Lorenzo de El Escorial nahe Madrid.

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