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"Firestarter"

The-Prodigy-Sänger Keith Flint ist tot

Sein Sprechgesang prägte Hits wie "Firestarter": The-Prodigy-Frontmann Keith Flint fiel nicht nur mit seiner Punkfrisur auf. Nun wurde der Musiker tot aufgefunden.

Montag, 04.03.2019   12:49 Uhr

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Er war eines der Pop-Gesichter der Neunzigerjahre: Mit seinem gefärbten Haarkranz, den Piercings und seinen Grimassen blieb Keith Flint jedem ins Gedächtnis, der einmal bei Viva oder MTV auf eins der Videos von The Prodigy stieß. Mit "Firestarter" oder "Breathe" hatte die britische Formation große Hits.

Das Projekt The Prodigy wurde 1990 von Liam Howlett in der englischen Provinz Essex ins Leben gerufen. Zusammen mit den beiden Tänzern und Sängern Leeroy Thornhill und Keith Flint, sowie dem Rapper MC Maxim Reality nahm er ein Demo auf, dessen Songs 1991 beim Londoner Plattenlabel XL Records erschien. Mit dem Breakbeat-Track "Charly" hatten The Prodigy noch im selben Jahr ihren ersten Hit in den britischen Charts.

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"Out of Space" mit dem auffälligen Reggae-Sample von Max Romeo (1992) und die Rave-Hymne "No Good" (1994) waren weitere Hits für The Prodigy, bevor 1996 der endgültige Durchbruch in den Mainstream gelang. Keith Flint wurde Frontmann der Gruppe - eine Rolle, die in der Dancefloor-Kultur eher nicht vorgesehen war.

Flint gab den Derwisch, der zu intensiven, von Punk beeinflussten Tracks wie "Firestarter" oder "Breathe" perfekt passte. Der Sound von The Prodigy war sowieso schon stadiontauglich - nun hatten sie in Keith Flint auch das passende Gesicht dazu. Für den "Guardian" galt Flint als "Inkarnation des Teufels". Nach einem Auftritt der Gruppe in der Popsendung "Top Of The Pops" gingen so viele Zuschauerbeschwerden wie noch nie in der Geschichte dieser langjährigen Show beim Sender ein.

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Das Boulevardblatt "Daily Mail" recherchierte und fand heraus, dass der 1969 in Chelmsford, Essex geborene Flint in Wahrheit ein "empfindsamer Junge der Mittelschicht" sei, der "gern kocht, Vögel beobachtet und Designermöbel schätzt". Flints Frisur mit den beiden Büscheln über den Ohren wurde von britischen Friseuren als "Dämonen-Schnitt" vermarktet.

"Erschüttert, verflucht wütend, verwirrt und untröstlich"

Ende 1997 sorgte das Musikvideo zu "Smack My Bitch Up" wegen seiner Darstellungen von Drogen-, Sex- und Gewaltszenen für Proteste. Danach wurde es längere Zeit ruhig um The Prodigy. Erst 2002 erschien wieder eine Single, 2004 das Album "Always Outnumbered, Never Outgunned", auf dem Liam Howlett allerdings kaum mit seinen alten Bandkollegen zusammengearbeitet hatte.

Keith Flint war erst 2009 bei "Invaders Must Die" wieder dabei, dem einzigen Album, mit dem The Prodigy kommerziell zumindest ansatzweise an die Erfolgszeiten der Neunziger anknüpfen konnten. Zuletzt erschien 2018 das etwas nostalgische Album "No Tourists", zu dem The Prodigy auf Tour gingen und auch Konzerte in Berlin, München, Frankfurt und Düsseldorf spielten.

Nun ist Keith Flint, der Frontmann von The Prodigy, gestorben. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen und britische Medien. Die Polizei stuft den Tod demzufolge als "nicht verdächtig" ein. Der 49-Jährige wurde am Montagmorgen leblos in seinem Haus in der englischen Grafschaft Essex gefunden.

In einem Instagram-Post auf dem offiziellen Prodigy-Account bestätigte Liam Howlett die Todesmeldung. Keith Flint habe sich übers Wochenende das Leben genommen, so Howlett. Er sei "erschüttert, verflucht wütend, verwirrt und untröstlich".

feb/Reuters/AFP/dpa

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