Exklusives Konzertvideo The Shins in Hamburg - live und für alle

Wer federleichten Pop mit Stil mag, sollte The Shins kennen. Die Band macht wahre Wohlfühlmusik für all jene, bei denen mal wieder alles schief läuft. Naja, und auch sonst sind sie gut. Ab jetzt hier zu sehen: ein Konzert aus Hamburg, exklusiv präsentiert von SPIEGEL ONLINE und tape.tv.

tape.tv

James Mercer kennt sich gut aus in Deutschland. Ein Song auf dem aktuellen Shins-Album "Port of Morrow" heißt "40 Mark Strasse" und bezieht sich auf ein Stück Autobahn bei Kaiserslautern, an dem sich Prostituierte für besagte Summe an amerikanische G.I.s verkauften.

Mercers Vater war bei der US-Luftwaffe, also wuchs der kleine James zeitweise auf dem tristen Stützpunkt Ramstein auf, zeitweise auch unter dem gnadenlos blauen Himmel von Albuquerque, New Mexico. Heute lebt er in der Hipster-Metropole Portland im Bundesstaat Oregon und veröffentlicht hin und wieder Platten unter dem Moniker The Shins, zu Deutsch: die Schienbeine.

Bekannt wurde die Band um 2004 herum, als einige ihrer Songs in Zach Braffs erfolgreicher Kinokomödie "Garden State" zu hören waren - und die lakonisch-melancholische Stimmung des Films auf den Punkt brachten. In einem Jahrzehnt, in dem der US-Indie-Rock sich zum Teil unnötig verkomplizierte und sein Heil in elektronischen Spielereien suchte, statt auf Songwriting zu setzen, lieferten die Shins einen glasklaren, simplen Gutfühlssound, der bei den Byrds und anderen entspannten Sixties-Rockern ebenso wurzelt wie im britischen Gitarrenpop der Neunziger.

Manchmal kommt ein Prog- oder Softrock-Einschlag dazu, wie eben in "40 Mark Strasse", das deutsche Kraut-Legenden ebenso zitiert wie den Siebziger-Souljazz von Hall & Oates oder Chicago. In den Texten geht es selten um große Gesten, dafür umso mehr um Alltagsbefindlichkeiten, Sentimentalitäten oder kleine Liebesdinge, denen Mercer mit leichter Hand ihre Tragikomik entlockt.

Dass zwischen dem neuen, im März erschienenen Album und dem Vorgänger, "Wincing the Night Away", fünf Jahre Funkstille herrschten, liegt unter anderem daran, dass Mercer kreativen Stillstand fürchtete - und kurzerhand die gesamte Band feuerte. Inspiriert wurde er dazu durch die Zusammenarbeit mit Produzent Danger Mouse beim Elektropop-Projekt Broken Bells, bei der er merkte, dass die Shins lediglich "ein Vehikel für mein Songwriting" waren, wie er unlängst in einem Interview sagte. Die Band war also austauschbar. Warum dann aber nicht gleich als James Mercer auftreten, warum hinter einer Band verstecken?

Die Single "Simple Song", die nicht nur im Titel das Geheimnis der Shins enthält, liefert Antworten: "I know that things can really get rough/ When you go it alone/ Don't go thinking you gotta be tough, and play like a stone". Ein Lied wie ein Sesamstraßen-Singsang, der zeigt, dass Mercer, der in der Jugend Entwurzelte, sich in einer Gruppe schlicht wohler fühlt als allein. Und letztlich enthält "Port of Morrow" Mercers bestes Songmaterial seit langem, sicher auch dank der Zusammenarbeit mit neuen Kollegen.

Die federleichte Jinglejangle-Popmusik der Shins vermittelt das Gefühl, nicht allein zu sein, wenn mal wieder alles schief läuft. Und wie eine große, seufzende Wohlfühlmaschine funktionieren auch die Konzerte der Band. In Kooperation mit Tape.tv zeigen wir den kompletten Auftritt der Shins vom Montag dieser Woche in Hamburg.

bor



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