Nach Tourneeabsage Thomas Anders warnt davor, Russen zu stigmatisieren

Seit Modern Talking ist Thomas Anders ein Star in Osteuropa. Nun sagte er Konzerte in Russland und der Ukraine ab, mit Verweis auf den Krieg – und warnt vor einer Stigmatisierung russischstämmiger Menschen in Deutschland.
Anders 2017 bei einem Auftritt im russischen Tambow: »Ich singe für die Bevölkerung«

Anders 2017 bei einem Auftritt im russischen Tambow: »Ich singe für die Bevölkerung«

Foto: Alexey Sukhorukov / ZUMA Wire / IMAGO

Seine Konzerte in Tallinn und Vilnius hat Thomas Anders noch gegeben, doch die zwölf Auftritte, die im März in der Ukraine und in Russland geplant waren, hat der deutsche Popsänger abgesagt.

Anders, der seit seiner Zeit mit Modern Talking eine große Anhängerschaft in den ehemaligen Sowjetrepubliken hat, verstören die Bilder aus dem ukrainischen Kriegsgebiet. »Es ist für mich unvorstellbar, und ich bin fassungslos«, sagte Anders der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Deshalb hat er die geplante Konzertreise verschoben.

Die Vorsitzende seines russischen Fanclubs habe ihm geschrieben, dass die Fans die Absage sehr schade fänden – »und das alles bloß wegen dieses kleinen Konflikts in der Ukraine«, zitierte Anders in der »Welt«  aus dem Brief. Er habe ihr daraufhin geantwortet, dass er nicht wegen »einem kleinen Konflikt oder wegen eines Manövers« seine Shows abgesagt habe, sondern weil Krieg herrsche und die restliche Welt Russland komplett isoliert und mit Sanktionen belegt habe. Eine Antwort habe er noch nicht erhalten. Aber nach seinem Schreiben sei das erste Mal in seiner russischen Community das Wort Krieg überhaupt erwähnt worden: mit den Worten »Make love not war!« zitierte er ein Fanclubmitglied.

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Der 59-Jährige warnt gleichzeitig davor, Menschen mit russischen Wurzeln in Deutschland zu stigmatisieren. »Wir müssen in uns gehen«, sagte er der dpa: »Es ist doch nicht die russische Bevölkerung, die den Krieg möchte. Die Ukraine ist ein Brudervolk. Fast alle Russen, die ich kenne, haben Verwandte oder Freunde in der Ukraine und umgekehrt.«

Es sei für ihn ebenfalls falsch, russische Künstlerinnen und Künstler unter Generalverdacht zu stellen und ihre Auftritte abzusagen. Zuletzt waren mehrere Auftritte der Opernsängerin Anna Netrebko und des Dirigenten Waleri Gergijew abgesagt worden, Gergijew verlor seine Stellung als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Beiden wird große Nähe zu Putin nachgesagt.

Thomas Anders will in Zukunft auch wieder in Russland auftreten. »Ich singe für die Bevölkerung, die es verdient hat, unterhalten zu werden und nicht für die Politik«, erklärte Anders weiter: »Ich finde sogar, man muss es machen. Das ist ein Austausch der Kulturen.« Die Feindseligkeit, die sich momentan aufbaue, könne dadurch entspannt werden.

Über seine Social-Media-Kanäle ruft Thomas Anders derzeit zu Spenden für Not leidende Kinder in der Ukraine auf. Zudem postete er einen Mitschnitt eines Fernsehauftritts, bei dem er die Modern-Talking-Ballade »Give Me Peace on Earth« singt – mit einer ins Russische übersetzten Ansage, wie wichtig ihm der Titel sei.

feb/dpa
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