Todd Rundgren solo Bevor es schlecht klingt, spielt er lieber alles selbst

Todd Rundgren gilt als begabter Musiker, brillanter Produzent und egozentrischer Paradiesvogel. Kein Wunder, dass Prince ihn besonders verehrt! Nun wurden die ersten elf Soloalben des Amerikaners frisch aufgelegt.

Corbis

Der Musiker und Produzent Todd Rundgren hat wenig Interesse an kommerziellen Triumphen. Als er zum Beispiel gebeten wurde, ein Album für Meat Loaf zu produzieren, war Rundgren wenig begeistert von dem, was er geboten bekam; die Songs seien "zu lang und zu dramatisch" und überhaupt "schlecht strukturiert" gewesen, sagte er später: "Es war eine Platte, in der ich kein kommerzielles Potential sah."

Er produzierte Meat Loafs "Bat out of Hell" dann doch, aber dass das Album mehr als 43 Millionen Mal wegging, beeindruckte Rundgren trotzdem nicht: "Die Leute mögen eben schlichte Musik."

Neben einem Anwesen auf Hawaii brachten ihm Produktionserfolge wie dieser aber auch die Freiheit, seine eigene Musik ohne Kompromisse angehen zu können.

Eine luxuriöse Ausgangsposition, die Todd Rundgren ermöglichte, sich nie auf ein Genre festlegen lassen zu müssen. Im Verlauf seiner bald 50 Jahre währenden Karriere jonglierte er je nach Laune mit Sixties-Beat, Prog-Rock, Soul, Elektro-Beats, Avantgarde-Experimenten, Acapella und Bossa Nova. Nebenher landete er auch große Hits wie "I Saw The Light" oder "Hello It's Me", die er mühelos aus dem Ärmel zu schütteln schien.

Wirklich spannend aber sind seine Solo-Alben, auf denen er immer wieder lustvoll über die Stränge schlug und sich den bis heute intakten Ruf als hochbegabter Paradiesvogel erspielte. Die überwiegend fabelhaften ersten elf Rundgren-Platten wurden nun in dem kompakten Kästchen "The Complete Bearsville Album Collection" frisch aufgelegt.

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Die in Papphüllen verpackten Alben wurden so gut wie möglich den Vinyl-Originalen nachempfunden. Auf Beigaben wie Booklets und Bonus-Musik verzichtete man. Dafür ist der Klang der spartanisch ausgestatteten Alben durchweg exzellent.

Genialischer Eigenbrötler mit Hang zur Egomanie

Die meisten dieser Platten erschienen in den Siebzigerjahren, der wohl spannendsten Phase in der langen Karriere des Künstlers. Dabei hatte sich der 1948 in Philadelphia geborene Rundgren eigentlich vor seinem ersten Solo-Werk schon wieder von eigener Musik verabschiedet.

Die von ihm 1967 gestartete Garagen-Rumpel-Band Nazz war zwar aus dem Stand recht erfolgreich und spielte drei exzellente Alben ein, aber Rundgren nahm als prägende Erfahrung mit, dass er die Produktion aller Nazz-Platten als verhunzt empfand. Weil ihn das zutiefst frustrierte, beschloss er, sich künftig selber um die technischen Gegebenheiten eines Studios zu kümmern und brachte sich nach dem Ende von Nazz selber bei, wie ein Studio am effektivsten zu nutzen sei. Damals nahm ihn der Bob-Dylan-Manager Albert Grossman für sein Label Bearsville unter Vertrag, wo Rundgren mit Bands wie Sparks das Produzieren übte und weiterhin Songs schrieb.

"Runt" hieß das erste Soloalbum, das 1970 erschien; es war als Band-Projekt geplant, wurde aber dann doch ein Alleingang, weil Rundgren alle Songs geschrieben und gesungen hatte und auch viele der Instrumente übernahm.

Dass dieser Künstler zur Exzentrik neigt, illustrierte dann eindrucksvoll das Cover seines zweiten Albums "Runt: The Ballad of Todd Rundgren", das ihn am Klavier sitzend mit einer Henkers-Schlinge um den Hals zeigt. Er arbeitete auf diesen Platten zwar noch mit anderen Musikern, darunter Größen wie Rick Danko und Levon Helm von The Band, aber eigentlich wollte er alles auf eigene Faust machen. Zunehmend mischte Rundgren sich in alle Bereiche des Musizierens ein, lernte schnell und erwarb sich so den Ruf des genialischen Eigenbrötlers mit Hang zur Egomanie.

Es passt, dass Prince einer seiner glühendsten Verehrer wurde. Als Rundgrens Meisterwerk gilt sein dritter Streich, das 1972 veröffentlichte Doppelalbum "Something/Anything", das das US-Fachblatt "Rolling Stone" auf Rang 173 der "Besten Platten aller Zeiten" führt. Die vermutlich zugänglichste Platte seiner Karriere - und auch die meistverkaufte - bot kunstvoll arrangierte Pop-Songs und kam seinem Ideal von der totalen Kontrolle nahe, da er immer mehr Instrumente übernahm. Drei Viertel der Songs des Doppelalbums spielte er alleine ein.

Mit den Jahren immer kompromissloser

Damals zu Beginn der Siebzigerjahre galt Rundgren eine Weile als potentieller Superstar, als eine Art nächster Bowie. Aber mit den Jahren wurde auch klar, dass er dafür einfach zu exaltiert und kompromisslos ist. Das machte dann auch sein viertes Werk "A Wizard, A True Star" deutlich, das zwar von nachgewachsenen Fans wie Hot Chip und Tame Impala besonders innig geliebt wird, aber musikalisch mitunter eine Herausforderung ist.

Diesem Kurs blieb Rundgren treu: Vergnügt kombiniert er Wahnwitz und Harmonie, angereichert mit allerlei zeitgemäßen technischen Spielereien. Erstaunlich ist, wie frisch viele der alten Songs in diesem Jahrtausend noch klingen, was auch damit zu tun haben dürfte, dass Rundgren hinter den Kulissen mit Arbeiten für Kollegen wie The New York Dolls, Patti Smith, The Band, Hall & Oates, Cheap Trick, The Psychedelic Furs und eben Meat Loaf ein Star-Produzent wurde.

Wenn der Meister allerdings Wiederspruch erfuhr, wurde es ungemütlich. An die Sessions mit der Band XTC und ihren ebenso querköpfigen Chef Andy Partridge mag Rundgren zum Beispiel nicht mehr erinnert werden. Das damals entstandene Album "Skylarking" gilt allerdings als Meisterwerk.

Beeindruckt zeigte sich Rundgren immerhin von den Einbrechern, die 1980 in sein Haus eindrangen, ihn fesselten, und dann, während sie alles auf den Kopf stellten, seinen Hit "I Saw The Light" pfiffen.



insgesamt 2 Beiträge
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Paul Panda 01.04.2016
1. ja gibt's den noch!
Interessanter Beitrag! Habe vor ein paar Jahren zufällig noch "Hello it's me" aus den Siebzigern von Rundgren auf einer alten Cassette gefunden und auf den PC überspielt. Leicht "schmalzig" klingendes Stück zwar, aber trotzdem irgendwie schön und im damaligen Trend: Stimme und Harmonien dieses Stückes erinnern stark an die Gruppe "Bread" um David Gates, die damals Ähnliches produzierte. Freut mich, zu lesen, dass der Mann noch aktiv ist (Mein Jahrgang). Werde mir die neuen Sachen mal anhören. Dass diese Interpreten mal im (normalen UKW-) Radio zu hören sein werden, wird wohl ein Traum bleiben. Selbst die Oldie-Sender wie WDR4 dudeln den ganzen Tag nur die aller bekanntesten und langweiligsten Hits wie "Yellow River".
guilty 01.04.2016
2.
"a wizard a true star" war lange zeit mitte der 70er eine meiner lieblingsplatten . gekauft hatte ich sie wohl nur wgen des covers , aber beim durchhören wurde man ordentlich durchgeschüttelt .
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