Travis Kein bisschen sexy?

Popularität ist ihm peinlich: SPIEGEL ONLINE sprach mit Fran Healy, Sänger der britischen Band Travis, über den Fluch des Erfolgs, die Vorzüge von Tarnkappen und das neue Album "The Invisible Band".

Von Stéfan Picker-Dressel


Fran Healy (Mitte) wird alle paar Wochen von britischen Medien zu einem der "coolest People in Pop" gewählt. Peinlich ist ihm das, denn Healy findet sich keine Spur sexy. Nach dem letztjährigen Erfolg der Travis-Single "Why Does It Always Rain On Me" und dem Album "The Man Who" gibt es von der introvertierten Band nun ein neues Album.

Fran Healy (Mitte) wird alle paar Wochen von britischen Medien zu einem der "coolest People in Pop" gewählt. Peinlich ist ihm das, denn Healy findet sich keine Spur sexy. Nach dem letztjährigen Erfolg der Travis-Single "Why Does It Always Rain On Me" und dem Album "The Man Who" gibt es von der introvertierten Band nun ein neues Album.

SPIEGEL ONLINE:

Herr Healy, "Invisible" heißt unsichtbar. Ist Ihnen der Erfolg von Travis inzwischen peinlich?

Fran Healy: Peinlich nicht. Ich habe nichts gegen Erfolg. Aber der Status von Prominenten passt nicht zu uns. Wir werden zu Personen hochstilisiert, die wir gar nicht sind. Wir sind keine Superstars. Wir wollen auch gar keine sein. Ich möchte gern mein nettes, kleines Leben weiterführen, das ich auch vorher hatte. Abends im Pub ein Pint trinken, so wie früher. Aber das geht eben nicht mehr, weil immer mehr Leute etwas von uns wollen. Das einzige, was wirklich wichtig ist, ist die Musik. Nicht wir.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie gern eine Tarnkappe?

Healy: Manchmal schon. Es wäre ganz nett, sich die Welt einmal anzuschauen, ohne dass man dabei gesehen wird. Ich würde gerne mal wissen, was George W. Bush den ganzen Tag so treibt. Oder Eminem oder Britney Spears. Oder einfach die Straße entlang gehen, ohne erkannt zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Macht Ruhm einsam?

Healy: Manchmal. In vielen Momenten wäre ich gern wieder am Anfang, als wir noch unbekannt waren und in kleinen Clubs aufgetreten sind. Aber ich möchte mich nicht beklagen. Uns geht es prima. Wenn man Musik machen möchte, nervt es nur, an tausend Dinge zu denken, die nichts mit Musik zu tun haben.

SPIEGEL ONLINE: Soll sich der Erfolg eines weltweiten Hits wie "Why Does It Always Rain On Me" nicht wiederholen?

Healy: Bloß nicht. Ich möchte nicht wieder so im Mittelpunkt stehen wie vor einem Jahr. Ich fühle mich auch kein bisschen sexy. Ich kann das alles nicht verstehen, was über uns geschrieben wird.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt kokettieren Sie aber schon ein bisschen.

Healy: Nein, wirklich nicht. Was soll das alles bedeuten? Ich kann damit nichts anfangen, ich bin nur Teil einer Service-Industrie mache meinen Job.

SPIEGEL ONLINE: Ein Job? Musiker zu sein ist doch Berufung.

Healy: Nur am Anfang. Es ist kein Job wie Kinder unterrichten oder Versicherungen verkaufen. Du arbeitest daran, dich selbst zu verkaufen. Während du aber zum Beispiel als Lehrer irgendwann nach Hause kannst, um abzuschalten, kannst du das als Musiker niemals. Du bist in deinem eigenen Job mit seinen eigenen Mechanismen und Gesetzen gefangen... Mein Gott, ich höre mich an, als sei ich frustriert.

Am liebsten unsichtbar: Travis

Am liebsten unsichtbar: Travis

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie's denn?

Healy: Nein, höchstens melancholisch. Unser letztes Album "The Man Who" hat die Richtung vorgegeben, in der wir jetzt weitermachen.

SPIEGEL ONLINE: Auf "The Invisible Band" dominieren ebenso die ruhigen Klänge. Ist Stille die neue Lautstärke im Popbusiness?

Healy: Keine Ahnung. Ist Blau das neue Schwarz? Ich weiß es nicht. Das ist eine komische Frage, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das größte Kompliment, dass man Ihnen je zu Ihren Songs gemacht hat?

Healy: Paul McCartney hat sich einmal zwei Stunden mit uns unterhalten. Das macht er ja nicht mit jedem. Also müssen wir ihm etwas bedeuten, denn der Mann ist bestimmt nicht unterbeschäftigt. Außerdem ist Paul McCartney genau so romantisch wie ich, das mag ich an ihm. Auch Elton John mag uns. Er hat uns nach "The Man Who" ein lustiges schwules Verehrerfax geschrieben, dass wir uns sofort ins Studio gehängt haben.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie, wenn Sie zu Hause doch einmal abschalten wollen?

Healy: Ich lege "Eine kleine Nachtmusik" auf, drehe sie voll auf und mache mir ein Bier auf. Dabei zähle ich die Sterne über Schottland, bis ich einschlafe oder das Stück aufhört. Das ist ein Trip, der nie zu Ende geht.

Travis: "The Invisible Band" (Epic/Sony Music); veröffentlicht am 11. Juni 2001



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