"Tribute von Panem"-Soundtrack Melodien zum Massakrieren

Wie soll die Musik zu einem Fantasyfilm klingen, in dem Kinder sich gegenseitig massakrieren? Der Country-Spezialist T Bone Burnett hat für die "Tribute von Panem" eine überraschend moderne, düstere Begleitung produziert - und lässt damit sogar Mainstream-Langweiler wie Maroon 5 glänzen.

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Dass die aufwendige Verfilmung des Teenager-Fantasy-Bestseller-Romans "Die Tribute von Panem" in den Kino-Charts der Welt massiv punkten würde, war keine große Überraschung. Spannender war die Frage, mit was für einem Soundtrack ein familien-kompatibler Blockbuster kombiniert wird, in dem es vor allem darum geht, dass sich Kinder gegenseitig massakrieren. Gangster-Rap von Justin Bieber? Black Metal von Tokio Hotel?

Erst einmal entschieden sich die Verantwortlichen ganz altmodisch für einen Score, also eine orchestrale Begleitung, die in diesem Fall Altmeister James Newton Howard übernahm. Überraschender war die Wahl von T Bone Burnett als Verantwortlichem für den zweiten Soundtrack, für die Zielgruppe der Generation iPod. Denn der 64-jährige Musiker und Produzent, der aussieht wie ein strenger Wanderprediger, gilt insbesondere als Fachmann für Country-Klänge alter Schule, für Gospel und weitere betagte amerikanische Traditions-Genres und scheint damit nicht wirklich der geeignete Kandidat, um ein globales junges Publikum zu beeindrucken.

Als Produzent ist Burnett seit langem eine große Nummer. Er betreute Platten für Künstler wie Roy Orbison, Elvis Costello, Los Lobos oder Willie Nelson. Ein Überraschungshit gelang ihm vor fünf Jahren mit dem Album "Raising Sand", das er für den Led-Zeppelin-Veteranen Robert Plant und die Country-Ikone Alison Krauss inszenierte. Aber sein größter Treffer war wohl der Soundtrack für den Coen-Brüder-Film "O Brother, Where Art Thou?", der mehr als sieben Millionen Mal verkauft wurde. Eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, dass da vor allem Country-Klänge der ganz alten Schule zu hören waren.

Düster und vertrackt, aber stets prickelnd

Seitdem hat Burnett wahrscheinlich die Carte blanche, was Soundtrack-Projekte angeht. Für die Musik zu "The Hunger Games", wie "Die Tribute von Panem" im Original heißen, schien er dennoch eine kuriose Wahl zu sein.

Aber Burnett bewies auch hier seine Klasse als einer der spannendsten Produzenten der Gegenwart. Schon die Auswahl der beteiligten Künstler ist vielversprechend: An Bord holte er hippe Musiker wie Arcade Fire, The Civil Wars, Neko Case, The Low Anthem, Kid Cudi und The Decemberists. Dazu bat er Mainstream-Helden wie Maroon 5 oder Taylor Swift. Also eine überraschende Besetzung für so ein großes Projekt. Andererseits haben gerade die sogenannten "Alternative-Bands" wie Arcade Fire oder The Low Anthem auch in Zeiten einknickender Umsätze ein treues Publikum.

Die unter Burnetts Regie entstandenen Songs klingen oft düster und vertrackt, aber stets prickelnd. Spannend wird es vor allem, wenn Burnett Mainstream-Titanen wie Taylor Swift betreut. Deren Duett mit The Civil Wars ist großartig geglückt. Ja selbst die Langweiler-Band Maroon 5 glänzt dank Burnett erstmals mit einem Song. Die angepeilte Teenager-Zielgruppe scheint begeistert zu sein: In den USA rauschte das "Hunger Games"-Album direkt auf Platz eins der Charts. Bleibt zu hoffen, dass Burnett auch den Soundtrack der geplanten Fortsetzung betreuen darf.



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
MKasp 20.04.2012
1. Wie steigert man ...
Zitat von sysopREUTERSWie soll die Musik zu einem Fantasyfilm klingen, in dem Kinder sich gegenseitig massakrieren? Der Country-Spezialist T Bone Burnett hat für die "Tribute von Panem" eine überraschend moderne, düstere Begleitung produziert - und lässt damit sogar Mainstream-Langeweiler wie Maroon 5 glänzen. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,828379,00.html
Wie steigert man den alltäglichen Film- und Fernsehhorror? Richtig, man lässt Kinder sich gegenseitig zerfleischen, zerschießen etc. Und das, damit die Unterhaltungsindustrie Geld abzocken kann. Perverser geht's nimmer. Der SPIEGEL sollte diesen Film und dieses Buch dahin tun, wo er/es hingehört: Müll. Darüber schreibt man nicht.
El Bardo 20.04.2012
2.
Zitat von MKaspWie steigert man den alltäglichen Film- und Fernsehhorror? Richtig, man lässt Kinder sich gegenseitig zerfleischen, zerschießen etc. Und das, damit die Unterhaltungsindustrie Geld abzocken kann. Perverser geht's nimmer. Der SPIEGEL sollte diesen Film und dieses Buch dahin tun, wo er/es hingehört: Müll. Darüber schreibt man nicht.
Und genau das ist der Punkt den Buch und Film anprangern. Abgesehen natürlich von der Ausnutzung des Spekztakels für politische Zwecke. Es ist geradezu faszinierend zu sehen, wie zielsicher Sie nichts, aber auch überhaupt nichts, verstanden haben.
msix 20.04.2012
3.
Zitat von MKaspWie steigert man den alltäglichen Film- und Fernsehhorror? Richtig, man lässt Kinder sich gegenseitig zerfleischen, zerschießen etc. Und das, damit die Unterhaltungsindustrie Geld abzocken kann. Perverser geht's nimmer. Der SPIEGEL sollte diesen Film und dieses Buch dahin tun, wo er/es hingehört: Müll. Darüber schreibt man nicht.
Ich gehe davon aus, dass Sie weder den Film gesehen noch das Buch gelesen haben und sie nicht wissen worum es überhaupt geht. Oberflächlich betrachtet geht es um "Kinder die sich gegenseitig zerfleischen". Tatsächlich aber steckt der Film voller Sozialkritik und ist für einen Blockbuster überraschend vielschichtig und anspruchsvoll. Die Story an sich ist nur der Aufhäner um z.B. den von ihnen angeprangerten alltäglich Fernsehhorror zu kritisieren. Ist aber nur ein Punkt von vielen, der auf den Film zutrifft.
elpirate_69 20.04.2012
4. Wieso...
Zitat von sysopREUTERSWie soll die Musik zu einem Fantasyfilm klingen, in dem Kinder sich gegenseitig massakrieren? Der Country-Spezialist T Bone Burnett hat für die "Tribute von Panem" eine überraschend moderne, düstere Begleitung produziert - und lässt damit sogar Mainstream-Langeweiler wie Maroon 5 glänzen. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,828379,00.html
...habe ich bei diesem Film eigendlich das Gefühl, das Hollywood mal wieder Propagandamaschine spielt und die lieben Kleinen auf das (Über) Leben im Postkapitalismus vorbereitet. Der Film ist sehr gut gemacht und recht unterhaltsam. Die Teenies im Publikum fanden die Kills unterhaltsam und die Protagonisten toootal süüüüß. So muß gute Propaganda funtionieren, Chapeau.
msix 20.04.2012
5.
Zitat von elpirate_69...habe ich bei diesem Film eigendlich das Gefühl, das Hollywood mal wieder Propagandamaschine spielt und die lieben Kleinen auf das (Über) Leben im Postkapitalismus vorbereitet. Der Film ist sehr gut gemacht und recht unterhaltsam. Die Teenies im Publikum fanden die Kills unterhaltsam und die Protagonisten toootal süüüüß. So muß gute Propaganda funtionieren, Chapeau.
Auch Sie haben die Aussage des Films offensichtlich überhaupt nicht verstanden.
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