Trikont-Label Gründer Achim Bergmann gestorben

Der legendäre Musik- und Buchverlag Trikont muss sich von seinem Gründer verabschieden: Achim Bergmann ist mit 74 Jahren verstorben. Bis zuletzt kämpfte er für alternative Kultur.
Achim Bergmann

Achim Bergmann

Foto: DPA/ Sebastian Weidenbach/ Trikont

Achim Bergmann, Gründer und bis zuletzt auch Betreiber des Musik- und Buchverlags Trikont, ist tot. Das teilten seine Mitstreiter vom Verlag in einem Posting auf Facebook mit. "Bayrischer Anarchist und das Herz des Trikont-Verlags 16.5.1943-01.3.2018", heißt es in der Nachricht, die gezeichnet ist von "Eva, Lea, Johnny, Brendan, Daniel, Gisela" und dem Trikont-Team. Dazu ein Zitat von Hank Williams: I'll never get out of this world alive. Zu den genaueren Umständen von Bergmanns Tod machten sie keine Angaben.

Zusammen mit Eva Mair-Holmes hatte Bergmann Trikont 1967 in München zunächst als Buchverlag gegründet. Der Name war der italienischen Zeitschrift "Trikontinentale" entlehnt, in deren Geiste der Verlag Texte aus der sogenannten Dritten Welt in Deutschland bekannt machen wollte. Mit Veröffentlichungen wie Che Guevaras "Bolivianischem Tagebuch" oder der sogenannten Mao-Bibel gelang das auf Anhieb.

In den 70ern wurde zusätzlich Musik ins Programm aufgenommen: 1972 erschien mit "Wir befreien uns selbst" von Arbeitersache, einem Bandprojekt, an dem auch die Labelbetreiber beteiligt waren, die erste Platte bei Trikont. In den 80ern verschwanden dann die Bücher aus dem Programm, Veröffentlichungen von Künstlerinnen wie Bernadette La Hengst, Rocko Schamoni, Attwenger oder Kofelgeschroa stehen seitdem für das Label, das zuletzt mit dem Titel "das wahrscheinlich älteste Indielabel der Welt" kokettiert hat.

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Meueler, Christof, Dobler, Franz

Die Trikont-Story: Musik, Krawall & andere schöne Künste

Verlag: Heyne Verlag
Seitenzahl: 464
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Zum 50. Jubiläum im vergangenen Herbst widmeten die Autoren Christopf Meueler und Franz Dobler Trikont den 500 Seiten starken Band "Die Trikont-Story. Musik, Krawall & andere schöne Künste". Wie um den Untertitel zu rechtfertigen, sorgte Bergmann zur Zeit der Buchpremiere wieder für Schlagzeilen: Auf der Frankfurter Buchmesse hatte er laut gegen die Präsenz rechter Verlage protestiert. Ein Unbekannter schlug ihm daraufhin mit der Faust ins Gesicht. Bergmanns blutige Lippe wurde zum Symbol für einen neu eskalierenden Kulturkampf.

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Seine Position in dieser Auseinandersetzung machte Bergmann mit der Platte, die er für Fotos zum Jubiläum hoch hielt, deutlich: Es war "Keine Macht für Niemand" von Ton Steine Scherben.

hpi
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