Pionier des Toasting Reggae-DJ U-Roy ist tot

Er machte den Sprechgesang über Reggaerhythmen in Jamaika populär – und bereitete damit Rap den Weg. Nun ist Ewart Beckford, der sich als Toaster U-Roy nannte, im Alter von 79 Jahren gestorben.
Ewart Beckford alias U-Roy (1941-2021)

Ewart Beckford alias U-Roy (1941-2021)

Foto: Jack Vartoogian / Getty Images

Der jamaikanische Reggaepionier Ewart »U-Roy« Beckford ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 78 Jahren in dem karibischen Inselstaat, wie die Plattenfirma Trojan Records am Donnerstag mitteilte . Die jamaikanische Zeitung »The Gleaner« schrieb , Beckford sei nach einer Operation in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Kingston gestorben. Die Todesursache wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Beckford, auch »Daddy U-Roy« und »The Originator« genannt, galt als Pionier des Sprechgesangsstils »Toasting«, der bei Reggae und in verwandten Musikrichtungen wie Dancehall zum Einsatz kommt. Inspiriert von den Songankündigungen amerikanischer Radiomoderatoren, sprach U-Roy als DJ bei jamaikanischen Soundsystems Ende der Sechzigerjahren immer überkandidelter zwischen und bald auch während der Songs. Der Soundsystem-Betreiber und Dub-Pionier King Tubby stellte Halleffekte zur Verfügung, mit denen U-Roy seine Stimme verfremden konnte, und produzierte Versionen von Reggae-Hits, die extra Platz ließen für Einwürfe des Toasters.

U-Roy wird daher auch eine Vorreiterrolle bei der Entstehung von Hip-Hop zugeschrieben. DJ Kool Herc, der in den Siebzigern in der Bronx erste Block Partys veranstaltete, war jamaikanischer Einwanderer und beeinflusst von den Soundystems und den sprechsingenden DJs.

Neuer Ruhm durch den Mad Professor

Für die »Zeit« war U-Roy 2000 der »unbezweifelbare Pate aller modernen DJs und MCs aus Jamaika und dem Rest der Welt«, sie rühmte sein »bewusstseinserweiterndes Gebrabbel«. Im Laufe seiner langen Karriere arbeitete Beckford mit Größen der jamaikanischen Musik wie Lee »Scratch« Perry , Peter Tosh und Toots and the Maytals zusammen.

Über die Karibikinsel hinaus bekannt wurde U-Roy Mitte der Siebzigerjahre, als das britische Plattenlabel Virgin Alben wie »Dread in a Babylon« oder »Natty Dread« veröffentlichte. Durch Aufnahmen mit dem britischen Dub-Produzenten Mad Professor erlangte U-Roy in den Neunzigerjahren neue Aufmerksamkeit. Er trat zu dieser Zeit auch regelmäßig in Europa auf.

»Wake the town and tell the people!« (Wecke die Stadt und sage es den Leuten), zitierte Jamaikas Premierminister Andrew Holness auf Twitter einen frühen Hit von U-Roy. »Wake the Town« war 1970 seine erste Single gewesen; der Weckruf wurde einer neuen Generation bekannt, als er als Sample die neue Version von Dawn Penns Hit »You Don't Love Me (No, No, No)« eröffnete, die 1994 auch in Deutschland ein Hit wurde.

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feb/dpa
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