"Über sieben Brücken" Karat-Sänger Herbert Dreilich gestorben

Die Rock-Band Karat dominierte von 1974 bis zur Wende die Pop-Szene der DDR. Mit dem Hit "Über sieben Brücken musst du gehen" wurde die Gruppe um Sänger Herbert Dreilich auch in Westdeutschland bekannt. Nun ist Dreilich im Alter von 62 Jahren gestorben.

Berlin - "Mich zwingt keiner auf die Knie", sang Herbert Dreilich erstmals vor 20 Jahren in einem Lied. Der Text war sein Lebensmotto, wie er selbst einmal bekannte, doch jetzt hat der Frontmann der ostdeutschen Kult-Rockband Karat den Kampf verloren. Wenige Tage nach seinem 62. Geburtstag erlag er in der Nacht zu Sonntag in seinem Haus in der Nähe von Berlin einem Krebsleiden.

Noch im März, als ihn die Ärzte nach einer Routineuntersuchung mit der Diagnose Leberkrebs konfrontierten, war Dreilich voller Zuversicht. "Ich habe bis jetzt jede Krankheit überstanden", sagte er. Zwar wurden sämtliche Tour-Termine dieses Jahres abgesagt. Aber 2005 wollte der Sänger, dessen markante Stimme ein Markenzeichen der Band war, wieder mit dabei sein. Immerhin war anlässlich des 30-jährigen Bühnenjubiläums eine große Tournee geplant.

Karat war 1974 aus der damals bekannten Soul-Rockband Panta Rhei hervorgegangen. Dreilichs Truppe gehörte zu den wenigen erfolgreichen Rockbands der DDR, die bereits vor dem Mauerfall Erfolg in Westdeutschland hatten. Insgesamt verkaufte Karat mehr als 8,5 Millionen Tonträger.

1978 brachte die Band das erste Album "Karat" heraus. Mit "Albatros" folgte ein Jahr später das zweite, das mit dem Hit "Über sieben Brücken" auch im Westen auf den Markt kam. Wesentlich bekannter wurde das Lied dort jedoch in der Coverversion von Peter Maffay.

Im Wendejahr 1989 erschien die Platte "... im nächsten Frieden" als Ost-West-Koproduktion. Als Gast kam Maffay hinzu, der den gemeinsamen Hit erstmals mit Dreilich sang. Danach wurde es vorerst still um die Gruppe: In der Nachwendezeit gab es kam Auftrittsmöglichkeiten für Ex-DDR-Bands, das ehemalige Stammpublikum interessierte sich verstärkt für Westproduktionen. Erst 1995 meldete sich Karat - pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum - mit der CD "Die geschenkte Stunde" zurück.

1997 erlitt Dreilich kurz nach Erscheinen des Albums "Balance" zum Entsetzen seiner Fans einen Schlaganfall und war zeitweise halbseitig gelähmt. Er überwand jedoch sein gesundheitliches Tief und stand ein Jahr später wieder auf der Bühne. Im Jahr 2000 wurde die Band bei einem Konzert zum 25-jährigen Bestehen auf der Parkbühne in der Berliner Wuhlheide von 17.000 Anhängern enthusiastisch gefeiert.

Karat erhielt in der DDR zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kunst- und den Nationalpreis. Aber auch im Westen fand die Gruppe Anerkennung. Für das vierte Album "Der blaue Planet" (1982) bekam sie erstmals eine Goldene Schallplatte. Gold gab es 1984 rückwirkend auch für Langspielplatte "Albatros". 2003 wurde Karat dann mit dem Media-Control-Preis gewürdigt - für "Der blaue Planet" als meist verkauftes Album einer DDR-Band überhaupt.

Christina Schulze, ddp