Umstrittene Biografie Grönemeyer erwirkt weitere Verfügungen gegen "unseriöses Machwerk"

Der Popsänger Herbert Grönemeyer hat zwei weitere Einstweilige Verfügungen über die über ihn verfasste Biografie des Journalisten Ulrich Hoffmann erwirkt. Insgesamt 53 Verletzungen seiner Persönlichkeitsrechte fänden sich in dem Buch. Der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe will Widerspruch einlegen.


Umstrittenes Grönemeyer-Buch: "Journalistische Sorgfaltspflichten missachtet"

Umstrittenes Grönemeyer-Buch: "Journalistische Sorgfaltspflichten missachtet"

Köln - Grönemeyers Plattenfirma EMI teilte am Dienstag mit, das Landgericht Berlin habe eine Verfügung gegen das im Verlag Hoffmann und Campe erschienene Buch "Grönemeyer" erlassen, die weitere 14 Punkte in dem Werk wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte untersagt. Zudem habe das Landgericht Berlin wegen grober Verletzung der Urheberrechte Grönemeyers eine Verfügung erlassen.

Der Vertrieb des am 8. Januar erschienenen Buches des Journalisten und Popkultur-Experten Ulrich Hoffmann war vom Landgericht Berlin bereits mit einer einstweiligen Verfügung gestoppt worden. Nach Angaben der Plattenfirma hatte sich der Verlag zwar bereits freiwillig in 27 Punkten verpflichtet, Darstellungen und Behauptungen zum Leben Grönemeyers nicht zu wiederholen, da sie nicht der Wahrheit entsprächen. Zusätzlich hatte das Gericht aber in weiteren zwölf Punkten Schilderungen zu Grönemeyer verboten und die weitere Auslieferung von Büchern mit diesen Behauptungen untersagt.

Das Buch sei nunmehr wegen insgesamt 53 Verletzungen der Persönlichkeitsrechte verboten, betonte EMI. Damit lasse sich ermessen, "in welchem Maße hier journalistischer Sorgfaltspflichten durch das Haus Hoffmann und Campe und den Autor missachtet wurden", so die Plattenfirma. Zudem bestehe das 266-seitige Buch nach der Entscheidung der Urheberrechtskammer des Landgerichts Hamburg zu 130 Seiten aus teilweise sinnentstellend zusammengeschriebenem Originalton Grönemeyers aus Sekundärliteratur wie Interviews, Texten und anderem Material. "Die Kammer erkannte, dass eine flächendeckende Übernahme wörtlicher Rede keinesfalls vom so genannten Zitatrecht gedeckt ist und die Urheberrechte Herbert Grönemeyers schwerwiegend verletzt", erklärte die Firma.

Auf Grund dieser "eindeutigen gerichtlichen Entscheidungen" erwarteten Grönemeyers Anwälte, "dass nunmehr auch der Verlag Hoffmann und Campe von einer zweiten Auflage eines derart unseriösen Machwerks Abstand nimmt", hieß es in einer Mitteilung am Dienstag.

Verleger Rainer Moritz sagte am Dienstag, der Verlag werde gegen die neuerlichen Verfügungen Widerspruch einlegen. "Das Gericht muss nun prüfen, in wieweit man aus Grönemeyer-Interviews zitieren darf oder ob diese Sprachkunstwerke sind und dem Urheberschutz unterliegen", sagte Moritz.

Die bereits überarbeitete zweite Auflage der Biografie sei bereits gedruckt und gebunden und werde in diesen Tagen in den Handel gehen. "Laut Urheberrechtskammer sind die bereits gebundenen Exemplare von der einstweiligen Verfügung ausgenommen", sagte der Verleger. Von den monierten Persönlichkeitsverletzungen will Moritz nichts wissen. "Davon kann keine Rede sein. Herr Grönemeyer will das Buch ganz einfach vom Markt haben, weil er keine Biografie über sich wünscht."



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