Unerhört FBI beschattete Leonard Bernstein

Rund 800 Seiten umfasst seine Akte, eine Partitur des Misstrauens und der Paranoia: Leonard Bernstein, weltberühmter US-Dirigent, wurde jahrzehntelang vom FBI bespitzelt. Der Grund: angebliche "kommunistische Umtriebe".


New York/Hamburg - Der legendäre amerikanische Dirigent Leonard Bernstein (1918 - 1990) ist wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe jahrzehntelang vom FBI beschattet worden. Wie seine 800 Seiten starke Akte belegt, bespitzelte die US-Ermittlungsbehörde den Musiker auch noch lange nach den Zeiten des gefürchteten "Kommunistenjägers" Joseph McCarthy.

Dirigent Leonard Bernstein bewies Haltung, auch wenn ihn das FBI bespitzelte
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Dirigent Leonard Bernstein bewies Haltung, auch wenn ihn das FBI bespitzelte

Nach Angaben der Zeitschrift "The New Yorker" warnten die US- Geheimagenten noch 1971 vor einer Veranstaltung, bei der Bernsteins berühmtes Musiktheater "Mass" uraufgeführt werden sollte. Der Komponist plane zusammen mit linksgerichteten Elementen einen Plot, "um den Präsidenten und andere Regierungsoffizielle durch eine Anti-Kriegs-Komposition zu blamieren", heißt es der Zeitschrift zufolge in einem Memorandum vom 16. August 1971.

Um das Theaterstück hatte die einstige Präsidentengattin Jacqueline Kennedy Onassis für die Eröffnung des Kennedy Centers for the Performing Arts in Washington gebeten. Das Stück gilt als die stilistisch und politisch radikalste Arbeit Bernsteins.

Nach den FBI-Warnungen nahm der damalige Präsident Richard Nixon an der Eröffnungsveranstaltung am 8. September nicht teil - die Nacht solle Jackie Kennedy gehören, ließ er mitteilen.

Begonnen hat die Bespitzelung Bernsteins Mitte der vierziger Jahre. Während der McCarthy-Ära von etwa 1947 bis 1956 wurde sie besonders intensiv - der charismatische Nachwuchsmusiker war zu dieser Zeit bereits als Dirigent bei den New Yorker Philharmonikern angestellt.

1953 etwa weigerte sich das Außenministerium, seinen Pass zu verlängern. Bernstein musste zunächst eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass er den USA loyal ergeben sei und den Sowjetkommunismus ablehne.

Dennoch gingen die Beschuldigungen weiter, oft mit wenig verlässlichen Quellen. So wird 1958 ein Informant mit den Worten zitiert: "Ich weiß, dass Bernstein ein eingetragenes Mitglied der Kommunistischen Partei ist. Ich habe keinen Beleg dafür, aber ich weiß es von der Art, wie er spricht."

dan/dpa



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