Urvater des Rap Gil Scott-Heron ist tot

Den Titel "Godfather of Rap" wollte er nie annehmen, dennoch hat der New Yorker Musiker und Poet in den siebziger Jahren mit seinen politischen Spoken-Word-Performances den Weg für modernen HipHop geebnet. Im Alter von 62 Jahren ist Scott-Heron jetzt gestorben.
Musik-Poet Gil Scott-Heron (2010): Wegbereiter der modernen schwarzen Musik

Musik-Poet Gil Scott-Heron (2010): Wegbereiter der modernen schwarzen Musik

Foto: Anna Webber/ Getty Images

New York - Erst im vergangenen Jahr erlebte er nach langer Abwesenheit und einem einjährigen Gefängnisaufenthalt wegen Drogenbesitz ein triumphales Comeback. Zusammen mit dem britischen Produzenten Richard Russell hatte er das Album "I'm New Here" aufgenommen, auf dem er seinen ureigenen Stil kongenial in die Neuzeit übersetzte. Vierzig Jahre, nachdem er die New Yorker Polit- und Musikszene mit aufrührerischen Funk-Songs wie "The Revolution Will Not Be Televised" und engagierten Spoken-Word-Performances elektrisiert hatte, durfte sich Gil Scott-Heron noch einmal über die begeisterte Aufmerksamkeit der Popkritiker freuen und ging auf eine umjubelte Tournee. Am Freitagnachmittag ist der Musiker, Poet und Schriftsteller nun im Alter von 62 Jahren in New York gestorben.

Eine Freundin des Sängers sagte der Nachrichtenagentur AP, Scott-Heron sei nach der Rückkehr von einer Europa-Reise krank geworden und an den Folgen verstorben. Nähere Umstände sind noch nicht bekannt. Scott-Heron war in den der Vergangenheit immer wieder durch seine Kokainsucht mit dem Gesetz in Konflikt geraten, musste mehrfach Gefängnisstrafen verbüßen.

Geboren wurde Gil-Scott Heron 1949 in Chicago, aufgewachsen ist er jedoch im südlichen US-Bundesstaat Tennessee, wo er früh mit Rassismus gegen Afroamerikaner wie ihn in Berührung kam. In den sechziger Jahren nahm er den Geist der Bürgerbewegung auf und veröffentlichte mit 19 Jahren sein erstes Buch, "The Vulture", bald darauf veröffentlichte er die bitterböse Satire "The Nigger Factory". Er wurde zur festen Größe in den New Yorker Clubs, vor allem in Harlem, wo er politische Texte über Diskriminierung und soziale Missstände über treibende, afrikanisch beeinflusste Percussion-Rhythmen "rappte".

1970 erschien sein erstes Album "Small Talk At 125th & Lenox Avenue", 1971 folgte Pieces Of A Man", auf dem unter anderem zwei seiner bis heute bekanntesten Songs enthalten waren: das kapitalismuskritische "The Revolution Will Not Be Televised" sowie die Jazz- und Soul-Hommage "Lady Day And John Coltrane". 1975 wurde er als erster Künstler auf dem neugegründeten Label Arista unter Vertrag genommen, wo er zehn Jahre lang blieb. Besonders fruchtbar war Scott-Herons Zusammenarbeit mit dem Musiker Brian Jackson. Zusammen nahmen die beiden unter anderem den Song "Winter In America" auf.

Den Titel "Godfather of Rap", also "Pate des Rap", wollte Gil Scott-Heron nie annehmen, obwohl ihn HipHop-Musiker immer wieder als Haupteinfluss und Wegbereiter nennen. Samples von Scott-Herons Funk-Musik und Percussions wurden seit Mitte der achtziger Jahre, als er selbst sich gerade aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hatte, von vielen Rappern in ihrer Musik benutzt. Einer der größten Verehrer Gil Scott-Herons ist der HipHop-Musiker und Produzent Kanye West. Scott-Heron selbst nannte seinen Sound "Bluesology" oder "Dritte-Welt-Musik. Oder einfach nur "Black Music or Black American Music".

bor
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