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Van Morrison: Live-Album neu aufgelegt

Foto: Norman Seeff/ Sony Music

Van Morrison Live Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Van Morrison galt schon immer als Querulant. Zur Einstimmung auf seine neue Platte wurde jetzt sein bestes Live-Album neu aufgelegt. Dazu kommt ein 3-CD-Set mit Konzerten einer legendären Tour von 1973.

Van-Morrison-Konzerte sind wie Roulette, mal gewinnt man, mal verliert man. Wenn es dumm läuft, schlurft der Meister mürrisch auf die Bühne, leiert lustlos und wortkarg sein Repertoire runter und macht sich nach Ablauf der vertraglich garantierten Spielzeit grußlos aus dem Staub. Das kam vor allem in den letzten Jahren immer wieder vor.

Wenn es aber gut läuft, wenn es "klick" macht bei "Van The Man", dann hat man die Chance, einem Ereignis der besonderen Art beizuwohnen. Wenn Laune und Band stimmen, kann es jederzeit passieren, dass Van Morrison ein wahnwitziges Konzert abliefert. Für alle die das bislang leider verpasst haben gibt es "...It's Too Late to Stop Now..." , ein Album mit Auftritten seiner Tour von 1973, bei der die abendliche Trefferquote bei hundert Prozent lag.

Kein Wunder, dass diese Platte vielen Experten als eines der besten Live-Alben überhaupt gilt. Dabei hatte Morrison damals mit Bühnenangst zu kämpfen. Als seine Solokarriere zu Beginn der Siebziger richtig in Fahrt kam und die Hallen immer größer wurden, gingen dem Künstler die Nerven durch. So tourte er mit seinem elfköpfigen Caledonia Soul Orchestra durch eher kleine Läden und präsentierte sich in der Form seines Lebens. Auf "...It's Too Late to Stop Now..." reicht das Repertoire, das in jenen Nächten aufgeführt wurde, von frühen Hits mit der Band Them, wie "Gloria" und "Here Comes the Night" über Solo-Nummern wie "Caravan", "Domino" und "Into the Mystic" bis hin zu Soul- und Blues-Coverversionen wie "Bring It On Home To Me" und "Help Me".

Und so atemlos und virtuos wie diese Aufnahmen heute noch klingen war es damals wohl tatsächlich, denn der Perfektionist Morrison verbot rigoros die in der Branche üblichen Nachbearbeitungen der Konzertaufnahmen, bei denen jegliche Fehler später im Studio ausgebügelt werden. Weil aber der Chef darauf bestand, dass die Aufnahmen authentisch sind, fiel zum Beispiel sein großer Hit "Moondance" unter den Tisch, weil da der Gitarrist kurz gepfuscht hatte.

Auch die Musikindustrie verfinstert dem Künstler die Laune

Seinen Ruf als genialer Querulant pflegt Van Morrison seit Beginn seiner Karriere. In der Branche gilt er offiziell als "schwierig". Journalisten verachtet er. Wenn er mal - was nur alle Jubeljahre vorkommt - eine Audienz gewährt, geht er die Fragesteller in schöner Regelmäßigkeit barsch an. Einigen soll er Prügel angedroht haben. Wer heutzutage mit Morrison plaudern will, bekommt vorab eine umfangreiche Liste mit den Fragen, die keinesfalls geduldet werden. So wird letztlich jeder Versuch eines Interviews sinnlos. Auch die Musikindustrie verfinstert dem Künstler die Laune, was vermutlich daran liegt, dass ihm in jungen Jahren in der Branche übel mitgespielt wurde.

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Der als George Ivan - "Van"- Morrison 1945 in Belfast geborene Künstler profitierte von der umfangreichen Blues- und Soul-Plattensammlung seines Vaters. Nachdem er als Teenager mit einigen Showbands durch die Lande gezogen war, kam Morrison 1964 bei Them unter, einer R&B-Beat-Combo, die in England und den USA zeitweilig gut im Rennen war. Damals lernte er auch die Härten des Musikgeschäfts kennen.

Den ersten richtigen Tiefschlag aber bekam er zum Start seiner Solokarriere, als ihn der Produzent Bert Berns über den Tisch zog. Der lockte ihn zum Üben ins Studio und veröffentlichte die Aufnahmen ohne Morrisons Wissen umgehend als Debüt-Solo-Album. Als der sich daraufhin weigerte, seinen Vertrag zu erfüllen, jagte Berns ihm Mafia-Schläger hinterher, so dass Morrison zeitweilig untertauchen musste. Vermutlich festigte sich damals des Künstlers Haltung, dass die Musikindustrie ein Feind ist, der auf Abstand gehalten werden muss.

Als Musiker punktete Morrison wie kaum ein anderer

Als großen Befreiungsschlag muss man dann wohl Morrisons erstes, reguläres Solo-Album "Astral Weeks" nehmen, ein Wunderwerk an impressionistischen Jazz-, Soul-, Folk- und Rock- Improvisationen, das als sein Meisterwerk gilt und in den Listen der "Besten Platten aller Zeiten" stets weit oben thront.

Damals entwickelte er diesen individuellen Sound mit dem er berühmt wurde; kühne Soul-, Folk- und Jazz-Collagen, die er mit Texten anreicherte, die gerne mal zum schrulligen Mystizismus tendierten. Ein besonderes Faible entwickelte Morrison für den Begriff "Caledonia", womit die Römer einst Schottland bezeichneten und den er ausgiebig übernahm; "Caledonia" nutzte er für sein Studio, seine Produktionsfirma, seine Band - und auch seine Tochter Shana hat "Caledonia" als Mittelnamen mitbekommen.

In den frühen Siebzigerjahren räumte Morrison noch mit Alben wie "Moondance" oder "Tupelo Honey" ab. Aber ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts lieferte er immer wieder mal Platten, die nur bescheidenen Applaus bekamen. Auch jenseits der Musik machte er zunehmend bizarre Schlagzeilen, so wie mit dem Album "Inarticulate Speech of the Heart", auf dem er dem Chef-Scientologen L. Ron Hubbard im Kleingedruckten dankt.

Aber weil er als Musiker immer wieder punktete, kassierte er auch mehr Auszeichnungen als die meisten seiner Kollegen. Neben allerlei Grammys, Rock'n-Roll-Ruhmeshallen-Plätzen und Ehrendoktortiteln wurde Morrison im Februar von Prince Charles zum Ritter geschlagen.

Bevor am 30. September das neue Studio-Album "Keep Me Singing" erscheint, wurde nun zur Einstimmung sein legendäres Livealbum "..It's Too Late to Stop Now.." renoviert, also klanglich aufpoliert und neu veröffentlicht. Aber zu Schnappatmungen sollte bei seinen zahlreichen Verehrern eher das nun auch frisch erschienene Bonus 3-CD-DVD-Set "...It's Too Late to Stop Now...Volume II, III, IV & DVD" führen. Das bietet drei Konzerte jener 1973 Tour - Los Angeles, Santa Monica und London - auf jeweils einer CD, plus eine Live-DVD aus London. Und das alles ohne Überschneidungen zum Originalalbum.

Wer also demnächst mal wieder einen mürrischen Morrison auf der Bühne erwischt, wird sich hiermit bestens trösten können.

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