Zum Tod des Musikers und Komponisten Sechs Melodien von Vangelis, die in Erinnerung bleiben werden

Seine elektronisch geprägten Sounds begleiteten Historienfilme, Boxkämpfe und Raumfahrtmissionen. Nun ist der griechische Musiker Vangelis gestorben. Zum Gedenken hier einige seiner prägendsten Kompositionen.
Musiker Vangelis Anfang der Siebzigerjahre

Musiker Vangelis Anfang der Siebzigerjahre

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Michael Ochs Archives / Getty Images

Evangelos Papathanassiou wurde am 29. März 1943 in Agria bei Volos geboren. Als Musiker war er unter der in Griechenland gebräuchlichen Kurzform seines Vornamens bekannt: Vangelis. Seine Filmmusik zu »Chariots of Fire« (deutsch: »Die Stunde des Siegers«) wurde mit einem Oscar ausgezeichnet; seine spezielle Mischung aus elektronischen Klängen und großen Emotionen machte Vangelis' Musik zur idealen Begleitung für Sportveranstaltungen und Raumfahrtmissionen. Am Donnerstag machte eine Anwaltskanzlei Vangelis' Tod öffentlich; sein Assistent gab bekannt , dass der Musiker am 17. Mai in einem Pariser Krankenhaus an Herzversagen gestorben sei.

»The Four Horsemen«

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Vangelis begann sein musikalisches Wirken mit Schulfreunden in der Band The Forminx, aber international bekannt wurde er mit Aphrodite's Child: Die Musiker verließen nach dem Militärputsch 1967 Griechenland und landeten in Paris. Mit dem auf einem Pachelbel-Kanon beruhenden Pop-Arrangement »Rain and Tears« gelang ein europaweiter Hit (hier ein zeitgenössischer Fernsehauftritt ). Doch dem Keyboarder Vangelis waren die Pop-Hits zu leichtgewichtig. Seinen Stempel hinterließ er viel mehr auf dem letzten Doppelalbum, bevor sich Aphrodite's Child auflösten (und Bassist Demis Roussos eine große Karriere als Schlagersänger machte): »666« gilt heute als Klassiker der psychedelischen Rockmusik; der bekannteste Track auf »666« ist das apokalyptische »The Four Horsemen«, das besonders durch sein langes Intro besticht, in dem bereits die Stimmungen von Vangelis' Solowerk angelegt sind.

»Pulstar«

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Vangelis verließ Mitte der Siebzigerjahre Paris und zog nach London, wo er sich sein eigenes Tonstudio aufbaute, Nemo Studios. Dort entstand eine Reihe von überwiegend instrumentalen elektronischen Alben, jedes einzelne unter einem anderen philosophischen Oberthema. Manche, so wie »China« von 1979, wurden zu Klassikern der New-Age-Szene. Ein Stück aus »Heaven and Hell« (1975) wurde zur Titelmusik der gefeierten populärwissenschaftlichen TV-Serie »Unser Kosmos« (hier die ersten Minuten der US-Orginalfassung mit Carl Sagan ). Und »Pulstar«, das Auftaktstück des Albums »Albedo 0.39« aus dem Jahre 1976, ist mit seiner extrem eingängigen Melodie ein oft gecoverter Klassiker der Synthesizermusik.

»Chariots of Fire – Titles«

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Schon in den Siebzigerjahren hatte Vangelis Filmmusiken komponiert. Doch der erste große Soundtrackerfolg entstand, als der Filmproduzent David Puttnam auf der Suche nach Musik für einen Film über den Weg zweier britischer Sportler zu den Olympischen Sommerspielen 1924 war. Man hätte sich zeittypische Klänge für den Historienfilm »Chariots of Fire« vorstellen können, aber Puttnam war inspiriert von Vangelis' Synthesizersounds. Die Musik zur Titelsequenz wurde zum Klassiker, im Rahmen der Olympischen Spiele von 1984 und in zahllosen folgenden heroischen Zeitlupensequenzen eingesetzt. Bei der Eröffnungsfeier der Londoner Spiele 2012 zeigte Rowan Atkinson alias Mr Bean eine wunderbare Parodie darauf (hier im Video ). Die Filmmusik von Vangelis wurde 1982 – als erster Synthesizer-Score überhaupt – mit dem Oscar ausgezeichnet; doch auf die Reise nach Los Angeles, um die Trophäe persönlich entgegenzunehmen, verzichtete der Grieche.

»I'll Find My Way Home«

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Als Rick Wakeman die Progressive-Rock-Band Yes 1974 verlassen hatte, bewarb sich Vangelis auf die vakante Stelle. Doch beim Vorspiel soll er Gitarrist Steve Howe irritiert haben, indem er über das Ende der E-Gitarre philosophierte. Und überhaupt wolle er lieber nicht auf Tour gehen. Yes-Sänger Jon Anderson war dennoch nachhaltig beeindruckt von Vangelis, der ihn bei einem Besuch im Kaftan und mit Pfeil und Bogen empfing, er sei Kunstschütze. Unter dem Namen Jon & Vangelis nahmen die beiden Anfang der Achtzigerjahre mehrere Alben auf. Der größte Single-Hit war »I'll Find My Way Home«, mit dem das Duo 1982 auch in der englischen TV-Show »Top of the Pops« auftrat. Donna Summer hatte einen Hit mit einer Coverversion  des Jon-&-Vangelis-Song »State of Independence«.

»Blade Runner – End Titles«

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Mit dem Soundtrack zu Ridley Scotts bahnbrechender Science-Fiction-Dystopie »Blade Runner« gelang Vangelis eine Blaupause für einen Synthesizer-getriebenen Genresound. Die Netflix-Serie »Stranger Things« ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr die Inspiration dieses Soundtracks angehalten hat. Kurioserweise erschien die Filmmusik zu dem 1982 in die Kinos gekommenen Werk erst 1994 – nachdem jahrelang Bootlegs davon die Runde gemacht hatten. Die Verbindung von Vangelis' Musik mit der Raumfahrt hielt dauerhaft – nicht nur im fiktionalen Film, sondern auch zu realen Missionen wählten die Organisationen seine Kompositionen. Für die Marsmission der Nasa 2001 nahm Vangelis eine neue Fassung  seiner choralen Symphonie »Mythodea« auf.

»Conquest of Paradise«

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Als Ridley Scott zum 500. Jubiläum der Reise von Christoph Kolumbus einen Spielfilm drehte, war Vangelis die logische Wahl für den Soundtrack zu »1492: Conquest of Paradise«. Dass das angemessen bombastische Hauptthema aber in den deutschen Singlecharts zwei Jahre später zum Nummer-eins-Hit wurde, verdankte Vangelis weniger dem Film als viel mehr dem »Gentleman-Boxer« Henry Maske, der zu seinen Kämpfen mit »Conquest of Paradise« als Begleitmusik einlief (hier ein Video von 1996 ). Die Verbindung zwischen Sport und Vangelis-Musik wurde immer wieder erneuert – neben den geschilderten Bezügen zu den Olympischen Spielen komponierte Vangelis auch das offizielle Thema  zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea.

feb
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