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Venezolanischer Folk-Star: "Onkel Simón" lebt nicht mehr

Foto: BEBETO MATTHEWS/ AP/dpa

"Bamboleo"-Komponist aus Venezuela Simón Díaz gestorben

Sein Lied "Caballo Viejo" macht ihn weltberühmt, und in seiner Heimat Venezuela war er ein nationales Heiligtum. Der Sänger und Komponist Simón Díaz ist am vergangenen Mittwoch mit 85 Jahren in Caracas gestorben.

Hamburg/Caracas - Seine berühmteste Komposition handelte vom Älterwerden: In "Caballo Viejo " ("Altes Pferd") besingt der venezolanische Musiker im Jahre 1980 die Nöte eines betagten Liebenden - im der Metapher des alten Gauls, der das Gnadenbrot bekommt. Damals war Simón Díaz 52 Jahre alt und in seiner venezolanischen Heimat ein bekannter Sänger der "Música llanera", der Musik der Ebenen im nördlichen Südamerika.

Am vergangenen Mittwoch ist Díaz mit 85 Jahren gestorben - seine Tochter bestätigte seinen Tod via Twitter - er sei nach langer Krankheit verschieden. Sein Tod kommt in einer Situation, in der Venezuela mal wieder politisch tief gespalten ist - in gewaltsamen Auseinandersetzungen starben in den letzten Wochen mehrere Menschen. Die Trauer über Díaz jedoch bringt die Venezolaner zusammen: Sowohl Oppositionelle als auch Regierungsmitglieder würdigten den Musiker und Komponisten als nationale Ikone.

Gassenhauer aus der Ebene

Díaz selbst hat sich aus dem Konflikt zwischen Chavisten und Anti-Chavisten immer herausgehalten. Nur in einem Lied aus dem Jahre 2002, als das Land am Rand eines Bürgerkriegs stand, ermahnte er beide Seiten: Die Oppositionsführer müssten einsehen, dass der - im vergangenen Jahre verstorbene - Hugo Chávez Rückhalt in der Bevölkerung habe - und Chávez selbst müsse seinen Kritikern zuhören.

Sein "Caballo Viejo" wurde in den Achtzigern und Neunzigern zum lateinamerikanischen Gassenhauer - es gibt Salsa - undCumbia-Versionen  - und als die spanische Flamenco-Pop-Band Gipsy Kings den Song für ihr "Bamboleo " aus dem Jahre 1987 verarbeiteten, summte die Melodie die ganze Welt.

Díaz' Popularität half, die im typischen 6/8-Takt mit Harfe, Maracas und der viersaitigen Cuatro-Laute gespielte Llanera-Musik in ganz Lateinamerika populär zu machen. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro rief am Tag nach seinem Tod eine dreitägige Staatstrauer für den Mann aus, der im Volksmund "Onkel Simón" genannt wurde.

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