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Nick Cave & The Bad Seeds: Unterschwellige Urgewalt

Foto: mc-communication

Neues Video von Nick Cave Alptraum mit Baum

Wo haust der böseste Buhmann? Im Wald, genau! Tief ins Gehölz entführen uns Nick Cave & The Bad Seeds mit ihrem Video zur neuen Single "We No Who U R". Gedreht hat den beklemmenden Film der Regie-Extremist Gaspar Noé. SPIEGEL ONLINE zeigt den Clip als Premiere.

Gleich, gleich, gleich wird etwas Schreckliches passieren! Ein guter Horrorfilm spielt immer mit der Erwartungshaltung des Publikums. Wenn dann etwas passiert, ist es zwar meistens entsetzlich, aber bei weitem nicht so schlimm wie der Spannungsaufbau, der voranging. Dieses Stilprinzip herrscht auch in "We No Who U R" vor, der neuen Single von Nick Cave & The Bad Seeds, die als Vorbote für das neue Album der Band dient, das am 15. Februar erscheint.

Der in Frankreich lebende Argentinier Gaspar Noé drehte den zugehörigen Videoclip, und schon das Wissen um diesen Fakt lässt das Adrenalin fließen. Denn Noé machte sich in der jüngeren Filmgeschichte einen Namen als Extremist, der Vergewaltigungen und Gewaltexzesse ("Irreversibel") ebenso furchtlos-poetisch in Szene setzt wie Drogentrips in Elendsvierteln ("Enter The Void"). Doch in "We No Who U R" gibt es keine Schockeffekte, außer denen, die man im Kopf erfindet bei der Vorstellung, nachts alleine durch den Wald zu laufen.

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Denn mehr geschieht nicht in dem dennoch sehr beklemmenden Kurzfilm: Ein Schatten, es könnte ein Kind oder ein Erwachsener sein, geistert durch einen von hinten angeleuchteten Wald. Und Nick Cave, der Shakespeare des Gothic-Pop, raunt dazu beunruhigende Verse von Nachtgestalten, die "mit dem Morgentau niedergehen" und im Abendlicht wiederkehren. "We know who you are/ And we know where you live/ And there is no need to forgive", singt er sonor über einem sich schicksalsergeben dahinschleppenden Bass-Rhythmus, der von Orgel-Tupfern, dezenten Elektronik-Akzenten und traurig sehnenden Bläsern getragen wird. Ein Song, der wirkt, als würde er sich gut als Abspannmusik für einen besonders apokalyptischen Film eignen.

Von den Sex- und Muskelprotzereien, die Cave mit seiner anderen Band Grinderman betreibt, ist hier ebenso wenig zu hören wie von seinen Soundtrack-Moritaten mit Violinist Warren Ellis. Stattdessen breitet sich hier erneut eine Atmosphäre des Unterschwelligen, Brütenden aus; einer stets nur mühsam in Schach gehaltenen Urgewalt, die das Schaffen der Bad Seeds seit nunmehr 30 Jahren prägt. Zwischen den Bäumen, in der Nacht, da wachsen die Triebe, gebt bloß Acht.

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