Vinyl-Boom Engländer lieben die Schallplatte

Erstmals seit Langem setzte die britische Musikindustrie in einer Woche mehr Geld mit Vinyl als mit Downloads um. Auch in Deutschland wächst der Markt weiter.

Käufer in einem Plattenladen
DPA

Käufer in einem Plattenladen


Noch vor zehn Jahren war die Schallplatte so gut wie tot. Aber nach 2008 zogen die Verkäufe wieder an. Nach acht Jahren stetigen Wachstums hat Vinyl in England nun geschafft, was man ihm nicht mehr zugetraut hätte: Erstmals überholte der Umsatz, der mit den schwarzen Scheiben innerhalb einer Woche erzielt wurde, den der digitalen Downloads. Das berichtet der britische "Guardian".

So wurden in der vergangenen Woche Platten im Wert von 2,4 Millionen Pfund verkauft - im Vergleich zu 2,1 Millionen Pfund, die Downloads einbrachten. Vor allem das Weihnachtsgeschäft brachte den entscheidenden Vorteil. Der "Guardian" zitiert Kim Bailey, die Vorsitzende des Verbands Entertainment Retailers Association, Schallplatten seien zu beliebten Weihnachtsgeschenken geworden: "Der Großteil der Vinylneuerscheinungen kommt jetzt heraus. Früher wurden nur noch Nischenproduktionen auf Platte veröffentlicht, jetzt wieder alles - Pop-Alben, Compilations, Soundtracks."

Fotostrecke

5  Bilder
Bildband über Vinyl-Kultur: Schönes Sammelsurium

In England ist die Platte im Mainstream angekommen. Neue Plattenläden eröffnen in den Städten, sogar Supermarktketten führen wieder Vinyl. Nicht mehr nur Musikfreaks und Audiophile greifen zu, sondern auch Teenager und Menschen unter 25 Jahren. Bailey: "Die kaufen die Platten ihrer Lieblingsmusiker, weil sie die sammeln können. Es ist eben sehr schwer, die Liebe zu einem Künstler zu unterstreichen, wenn man nichts hat, was man anfassen kann."

Auch in Deutschland wächst der Vinylmarkt seit Jahren, wenn auch auf geringerem Niveau. In den ersten neun Monaten 2016 wurden bereits mehr Platten verkauft als im gesamten Jahr 2015, meldete kürzlich der Bundesverband Musikindustrie. 47 Millionen Euro wurden durch die Vinylverkäufe in den ersten drei Quartalen generiert, ein Wachstum von rund 49 Prozent. Im Vergleich zum gesamten Musikmarkt bleibt Vinyl allerdings eine Nische: Der Anteil am Umsatz beträgt nur 4,3 Prozent.

kae



insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Phil2302 07.12.2016
1. Ob es wirklich besser klingt
bezweifel ich ja. Ist wohl eher so ein "früher war alles besser"-Dingen, davon bin ich aber kein großer Freund. Vielleicht suchen die Menschen auch nur Entschleunigung, um mal einen Gang herunterschalten zu können. Immerhin scheinen diese Menschen auch was die Farbe ihrer Socken angeht einen besonderen Geschmack zu haben. Nicht unkühn. Chapeu!
dr._agan 07.12.2016
2. Vergleich zum Umsatz mit Downloads fehlt
In Deutschland wurden 2015 ca. 250 Mio € mit Downloads umgesetzt. Wenn man jetzt die Verkäufe für Schallplatten in 2016 hochrechnet auf ca. 62 Mio €, dann kommt man auf ca. ein Viertel des Download Umsatzes von 2015, und das ist nicht wenig.
pulverkurt 07.12.2016
3. Re: Ob es wirklich besser klingt
Zitat von Phil2302bezweifel ich ja. Ist wohl eher so ein "früher war alles besser"-Dingen, davon bin ich aber kein großer Freund. Vielleicht suchen die Menschen auch nur Entschleunigung, um mal einen Gang herunterschalten zu können. Immerhin scheinen diese Menschen auch was die Farbe ihrer Socken angeht einen besonderen Geschmack zu haben. Nicht unkühn. Chapeu!
Oh Mann. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß Sie schon einmal mit dem Tonträger Vinyl zu tun hatten, oder daß Sie überhaupt irgendeinen Bezug dazu haben. Bei solchen Befindlichkeitsbeiträgen würde man sich wirklich wünschen, dass der Autor beim nächstenmal einen Augenblick innehält bevor er das was ihm gerade durch die Birne schiesst wieder in ein Diskussionsforum verklappt.
hansheinzhorsthans 07.12.2016
4. klingt besser, macht mehr Spaß
Ich kaufe seit Jahren wieder Vinyl. Sie klingen besser, weil sie in der Regel besser abgemischt wurden. Jetzt sind sie wieder mainstream und man muss wieder sorgfältiger auswählen. Wichtiger für mich ist aber, dass ganze Drumherum. Platte auflegen, zurück zum Sessel ehe der Tonabnehmer die Platte erreicht, Musik in bester Qualität genießen und am Ende die Platte umdrehen, usw., usf.. Dabei kann man sich auch in Ruhe am Cover erfreuen. Beim blaugelben Möbildiscounter gibt es schöne passende Rahmen. Außerdem halten sie länger als CDs, die mittlerweile alle auf Festplatte und im Keller entsorgt habe.
GoaSkin 07.12.2016
5. ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Download gekauft
Wenn ich Geld für Musik ausgebe, möchte ich etwas in der Hand haben. Reine digitale Informationen sind mir keinen müden Cent wert. Wenn ein Musiker nur noch Downloads anbietet, verdient er an mir nichts. Sie sind geschenkt OK, aber nicht für Geld. Kostenpflichtige Downloads sind zum Abgewöhnen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.