Wahlkampf Parteien wollten Helden einspannen

Nahezu alle Parteien wollten im vergangenen Bundestagswahlkampf mit Musik der Popgruppe Wir sind Helden werben. Die Berliner Band lehnte alle Angebote ab - genützt hat es nichts.


Hamburg - Erfolg hat seinen Preis: Im vergangenen Bundestagswahlkampf ist die erfolgreiche Band ("Von hier an blind") "von so gut wie jeder Partei, ob links oder rechts" angesprochen worden, ob man nicht mit Songs der Band werben dürfe. "Wir haben alles abgelehnt, aber trotzdem wurden die Songs überall gespielt, auf CDU-Parteitagen und sogar von rechtsradikalen Gruppierungen", sagte Wir-sind-Helden-Schlagzeuger Pola Roy der Wochenzeitung "Die Zeit". Eine Kinokette habe sogar mit dem Spruch "Gekommen, um zu bleiben" geworben, einer Single der Band entsprechend.

Sängerin Holofernes: "Es war, als ob ich mich nackt hinstelle"
DDP

Sängerin Holofernes: "Es war, als ob ich mich nackt hinstelle"

Wir sind Helden gelten als Blaupause für die neueste deutsche Welle junger Pop- und Rockbands. Auf ihrem Debüt-Album "Die Reklamation" (2003) übten die Band amüsant-ironische Konsumkritik und gilt daher als politisch bewegte Musikgruppe. Gegen Parteilichkeiten geben sich die aus Hamburg und Berlin stammenden Musiker jedoch immun. Auf die Frage, ob sie es begrüße, dass eine Frau Bundeskanzlerin geworden sei, sagte Sängerin Judith Holofernes der "Welt am Sonntag": "Ganz bestimmt nicht. Mich freut es überhaupt nicht, dass eine Frau Bundeskanzlerin wurde. Das wäre positiver Sexismus, und es ist auch nicht meine Art, so zu denken. Ich weigere mich, meine Sympathie für eine Politik auszusprechen, nur weil der Kanzler nun eine Frau ist."

Die "Helden" hatten nach dem großen Erfolg ihres Debütalbums im Frühjahr ihre zweite, etwas introspektivere CD "Von hier an blind" veröffentlicht. Der Erwartungsdruck sei sehr hoch gewesen, sagte Holofernes der "Zeit". "Es ist ein tiefer innerer Entschluss von mir, mir nie wieder so viel Sorgen zu machen. Es war, als ob ich mich nackt hinstelle und in die Runde frage: Na, wie findet ihr mich?", beschreibt die Sängerin und Texterin die Situation, als die Band ihr neues Album erstmals der Plattenfirma vorspielte.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.