Wettsingen Griechenland gewinnt Grand Prix - Deutschland Schlusslicht

Provinziell, amateurhaft, uninspiriert: Das Urteil der internationalen Fernsehzuschauer über die deutsche Liedkunst ist vernichtend. Skandal-Gracia landete beim Grand Prix in Kiew auf dem letzten Platz – mit Abstand.


Hamburg - Wann begreifen die Musikmanager in Deutschland eigentlich, dass es so nicht mehr weitergehen kann? Dass ein Land, in dem selbst die Straßenmusikanten die schlechtesten der Welt sind, in dem Radiosender erschreckend langweiligen Brei verbreiten, in dem jede tiefe Frauenstimme mit Soul verwechselt wird, einfach keine Chance haben kann.

Das Desaster für Deutschland beim Eurovision Song Contest war also absehbar - und es trat ein: Die Kandidatin Gracia landete am Samstagabend mit ihrem sogenannten Rocksong "Run & Hide" auf dem letzten Platz des 24 Teilnehmer starken Finales - und zwar mit Abstand.

Die Sängerin Helena Paparizou aus Griechenland dagegen war die strahlende Siegerin und gewann den Grand Prix in Kiew - es war der erste Sieg für das Land. Sie überzeugte mit ihrem feurigen, orientalisch angehauchten Song "My Number One" vor mehr als 150 Millionen TV-Zuschauern in ganz Europa. Mit der in Schweden aufgewachsenen Künstlerin gewann den Schlagerwettbewerb die Favoritin, die bereits in den Wetten vor dem Finale als Siegerin gehandelt worden war.

Sie sang bei ihrer zweiten Teilnahme am Eurovisions-Wettbewerb einen hörbaren Popsong mit folkloristischen Einlagen. Bereits 2001 hatte sie mit dem Duo "Antique" und dem Lied "Die for you" einen dritten Platz erreicht. Am Samstag gewann sie mit deutlichem Abstand vor Malta und der Sängerin Chiara, die mit ihrer selbstverfassten Ballade "Angel" auf 192 Punkte kam. Dritter wurde Rumänien mit "Let me try" von Luminita Anghel und Sistem bei 158 Punkten.

Die energiegeladene Show vor etwa 7000 Zuschauern im Sportpalast der ukrainischen Hauptstadt war geprägt von fetzig-rockigen Tanznummern, die oftmals mit folkloristischen Elementen gespickt waren. Insgesamt fielen die meisten Teilnehmer durch ihre Professionalität und musikalische Qualität auf.

Gracia wirkte bei ihrem Auftritt mit der Startnummer 17 nervöser als sonst. Beim Refrain ihres Songs überschlug sich ihre Stimme fast. In der Abstimmung, an der erstmals alle 39 für den Grand Prix gemeldeten Länder teilnahmen, war denn auch schnell klar, das sie keine Chance haben würde. Lediglich Monaco und Moldawien gaben dem deutschen Beitrag je zwei Punkte.



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