In seinem Provo-Video "Stress ohne Grund" hetzt und droht Bushido wie in schlechten alten Zeiten. Jetzt drohen die ersten Konsequenzen: Klaus Wowereit hat wegen des Songs Anzeige erstattet. Und gute Chancen, auf dem Index zu landen, hat das Lied auch.
Rapper Bushido (im Jahr 2011): Sein Song ist Grund für Stress
Foto: Britta Pedersen/ dpa
Berlin/Hamburg - Jetzt kriegt Bushido Stress wegen "Stress ohne Grund": Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat wegen des Hass-Lieds Strafanzeige gegen den Rapper gestellt, unter anderem wegen Beleidigung. Das teilte der stellvertretende Senatssprecher Bernhard Schodrowski mit.
Und auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien knöpft sich das Rap-Stück vor. Auf Antrag des Bundesfamilienministeriums prüfe man, ob das Lied auf den Index gehöre, so ein Behördensprecher. Damit wären Song und Video für Minderjährige verboten. Die Produktionsfirma habe 48 Stunden Zeit, sich zum Inhalt zu äußern. Anschließend könnte die Bundesprüfstelle eine Indizierung anordnen.
Auf einigen Internetseiten ist das Video zu dem gemeinsam mit Rapper Shindy aufgenommenen Lied bereits gesperrt.
Der Song enthält Tötungs- und Gewaltphantasien sowie schwulenfeindliche Parolen. Neben Wowereit werden auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören, der Comedian Oliver Pocher und die Grünen-Chefin Claudia Roth namentlich genannt und angegriffen. So rappt Bushido: "Und ich will, dass Serkan Tören jetzt ins Gras beißt."
Integrations-Bambi aberkennen
Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, wertete den Liedtext im Radiosender NDR-Info als Aufruf zum Mord an konkreten Personen, der sanktioniert werden müsse. "Weil er musikalisch und künstlerisch nicht viel drauf hat", sei Bushido darauf angewiesen, sich so ins Gespräch zu bringen, sagte Beck.
Beck forderte auch ein klares Wort von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). "Immerhin kursieren überall Fotos mit ihm und seinem guten Freund Bushido.", sagte Beck.
Und auch Heino mischt sich in die Diskussion ein: Der Rapper müsse "in seiner kriminellen Energie dringend gestoppt werden", sagte der Schlagersänger der "Bild"-Zeitung. Vom Burda-Verlag verlangte Heino, Bushido den Integrations-Bambi abzuerkennen, den er 2011 erhalten hatte. "Alles andere wäre beschämend."
Ganz anderer Meinung ist "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel. Sie hält die Bambi-Auszeichnung für gerechtfertigt. In der "Bild am Sonntag" sagte sie, dass das damalige Engagement des Rappers durchaus auszeichnungswürdig gewesen sei. "Vor drei, vier Jahren hat sich Bushido aktiv für mehrere Integrationsprojekte und gegen Gewalt eingesetzt." Die Jury sei nicht verantwortlich für den Weg, den ein Preisträger nach der Auszeichnung einschlägt.
Es sieht so aus, als hätte der gebürtige Bonner mit seinem Video die erhofften Reaktionen ausgelöst. Bushido bringt sich immer wieder durch provozierende und als gewaltverherrlichend empfundene Äußerungen ins Gerede. Drei von Bushidos Alben stehen bereits auf dem Index. Zuletzt sorgte er auch mit fragwürdigen Geschäftsbeziehungen für Aufsehen.