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Anzeige wegen Volksverhetzung: Linkspartei vs. Xavier Naidoo

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Verdacht auf Volksverhetzung Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Xavier Naidoo

Der christliche Soul-Popper Xavier Naidoo hat mit dem Rapper Kool Savas einen Song veröffentlicht, in dem er Homosexualität und Kindesmissbrauch in einen Zusammenhang stellt. Die Jugendorganisation der Linkspartei hat Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft Mannheim leitet ein Verfahren ein.

Hamburg - In seinen Liedern predigt Xavier Naidoo christliche Werte. Nun allerdings sieht er sich mit irdischen Gesetzen konfrontiert. Die Jugendorganisation der Linkspartei ['solid] und die Landesarbeitsgemeinschaft queer.NRW empfinden Textstellen des Songs "Wo sind" als menschenverachtend und homophob. Das Lied befindet sich als so genannter Hidden-Track auf dem im September 2012 veröffentlichten Album "Gespaltene Persönlichkeit". Für die Platte, die es in Deutschland auf Platz Eins der Charts schaffte, hatte sich der Soulsänger mit Kool Savas unter dem Namen Xavas zusammengeschlossen.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim leitet nun das Verfahren wegen des Verdachts auf Volksverhetzung ein sowie des Aufrufs zum Totschlag und der schweren Körperverletzung.

Stein des Anstoßes sind folgende Zeilen in "Wo sind": "Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?"

"Furchtbare Ritualmorde"

Mit dem Lied versuchen die Künstler Kritik an rituellem Kindesmissbrauch zu üben. Die ehrenwerte Absicht tritt aufgrund der derben Wortwahl allerdings in den Hintergrund. Spätestens, wenn der Text Homosexualität und Kindesmissbrauch in einen Kontext stellt, bleibt von seiner anfänglichen Intention nichts übrig.

In einem Interview mit dem Radiosender FFN erklärte Naidoo: "Da geht es um furchtbare Ritualmorde an Kindern, die tatsächlich ganz viel in Europa passieren, über die aber nie jemand spricht, nie jemand berichtet." Weiter wollte sich der Künstler nicht äußern. Seine Sprecherin erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE lediglich, dass "sich immer jemand daran aufhängen wird, wenn solche Themen behandelt werden."

Auf der Homepage der Jugendorganisation äußert sich deren Bundessprecherin Josi Michalke: "Dieser Song transportiert Menschenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Homophobie. Hier werden auf haarsträubende Art und Weise satanistische Rituale mit Kindesmissbrauch mit Pädophilie mit Homosexualität gleichgesetzt. Das ist eine Frechheit."

Gefährdet das Verfahren die Fernsehkarriere von Xavier Naidoo? Als Jurymitglied der ProSieben-Castingshow "The Voice of Germany" erreicht der Sänger und Produzent wöchentlich ein Millionenpublikum. Der Sender erklärte auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, dass man an Naidoo als Juror festhalten werde.

Gegen Kool Savas und die Vertriebsfirma Tonpool Media GmbH wurde ebenfalls Anzeige erstattet.

ajz
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