Rechtspopulistischer Songtext Xavier Naidoo wehrt sich gegen Rassismus-Vorwurf

Xavier Naidoo wird für ein Musikvideo kritisiert, in dem er sich rassistischer Klischees bedient. Das Video sei echt, der Liedtext allerdings zwei Jahre alt, sagt Naidoo - und die Interpretation falsch.
Xavier Naidoo gerät immer wieder mit umstrittenen Äußerungen in die Schlagzeilen

Xavier Naidoo gerät immer wieder mit umstrittenen Äußerungen in die Schlagzeilen

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Daniel Goetzhaber/ GEPA pictures/ imago images

Das im Internet aufgetauchte Video, das den populären Sänger aus Mannheim zeigt und seit einigen Stunden für Kritik und Empörung sorgt, ist offenbar echt. Darin reproduziert Xavier Naidoo, in einen aufgeklappten Laptop singend, rassistisch grundierte Metaphern und rechtspopulistische Denkmuster. Ob das Video tatsächlich Naidoo zeigt, wurde bis jetzt nur gemutmaßt. In einem Statement auf Naidoos Facebook-Seite  äußert sich der Sänger nun zu dem Lied. Dessen Text stamme aus dem Jahr 2018, heißt es darin. Das bedeutet: Das Video ist authentisch, der Liedtext keine Fälschung.

In dem Song heißt es: "Hauptsache, es ist politisch korrekt, auch wenn ihr daran verreckt. (...) Was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt?" Die darin enthaltenen Metaphern sind leicht als rassistisch erkennbar, mit "Gast" scheint der Sänger deutlich auf Geflüchtete anzuspielen. Das sei eine falsche Interpretation des Liedtexts, sagt Naidoo nun.

"Ich setze mich seit Jahren aus tiefster Überzeugung gegen Ausgrenzung und Rassenhass ein", heißt es in dem Statement. Auch seine Familie sei als Gast nach Deutschland gekommen, habe sich an Recht und Moralvorstellungen gehalten. "Diese Selbstverständlichkeit sollte für alle gelten - auch wenn nur ein sehr kleiner Teil dies missverstanden hat." Dieser kleine Teil belaste alle anderen, die in "Sippenhaft" genommen und in Gefahr gebracht würden. Dass Naidoo mit seinem Lied eventuell selbst genau dazu beiträgt, erklärt oder reflektiert der 48-Jährige nicht.

Das Video hatte in den sozialen Medien für Empörung gesorgt. Der Sender RTL, bei dem Naidoo als Juror an der Castingshow "DSDS" teilnimmt, hatte irritiert auf das Video reagiert. "RTL distanziert sich ganz klar von Rassismus in jeglicher Form", hieß es. Man wollte mit Naidoo klären, was es damit auf sich habe. Ob dessen Antwort dem Sender nun deutlich genug ausfällt, bleibt abzuwarten. Ob das Video selbst auch zwei Jahre alt ist oder bloß dessen Text, erwähnte Naidoo in dem Statement nämlich nicht. Auch, wie das Video entstanden ist, für wen es bestimmt war und wer es nun ins Internet stellte, erläuterte der Sänger nicht.

Naidoo fiel in der Vergangenheit immer wieder mit umstrittenen Äußerungen auf. Am Tag der Deutschen Einheit 2014 beispielsweise sprach er in Berlin bei einer Demonstration der sogenannten Reichsbürger, die die staatliche Ordnung in Deutschland ablehnen. Auch in seinen Liedtexten bediene der Sänger antisemitische Codes und Chiffren, wurde er in den vergangenen Jahren vielfach kritisiert.

evh