Offener Brief an die EU 1000 Musiker beschweren sich über YouTube

Coldplay ist dabei, Ed Sheeran, Lady Gaga und Udo Lindenberg: Sie alle fordern die EU-Kommission dazu auf, gegen YouTube vorzugehen. Der Dienst entwerte mit seinen Gratisangeboten ihre Arbeit.
Coldplay-Sänger Chris Martin

Coldplay-Sänger Chris Martin

Foto: Tabatha Fireman/ Getty Images

Über 1000 Musiker haben einen offenen Brief an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker unterschrieben  und fordern ihn dazu auf, "jetzt zu handeln", um gleiche Rahmenbedingungen für Künstler und Rechteinhaber im Internet zu sichern.

Die Künstler und Plattenfirmen rücken "User Upload Services" wie die Videoplattform YouTube ins Zentrum ihrer Kritik. Sie stören sich daran, dass dort viele Songs gratis zu finden sind.

Zu den Unterzeichnern gehören Künstler aus 28 Ländern. Allein aus Deutschland ist von Helene Fischer über Marius-Müller Westernhagen, Bosse, Udo Lindenberg bis zu Clueso und Max Herre dabei, was Rang und Namen hat. Internationale Acts wie Lady Gaga und Coldplay komplettieren das Feld. Organisiert wurde die Unterschriftenaktion durch den Dachverband der Europäischen Musikverbände IFPI.

Nach Jahren sinkender Umsätze schnuppert die Musikindustrie wieder Morgenluft . Internetpiraterie ist auf dem Rückzug, dank Streaming wuchsen die Erlöse im Musikgeschäft erstmals wieder. Eigentlich logisch, dass es der Musikindustrie ein Dorn im Auge ist, wenn User auf YouTube Musik einstellen können, für die dann nicht bezahlt werden muss. Aber die Sache ist komplizierter, als sie zunächst erscheint.

Denn auch die Plattenfirmen nutzen selbst die Plattform, um dort Videos kostenlos einzustellen und so Werbung für Neuerscheinungen zu machen. Und dann sind Videos auf YouTube zwar gratis zu sehen, sie werden aber sofort mit Werbung versehen, wenn es sich um urheberrechtlich geschützte Inhalte handelt. YouTube verweist darauf, dass so schon mehrere Milliarden Dollar an Werbeerlösen an Rechteinhaber geflossen seien.

In ihrem offenen Brief kritisieren Künstler und Industrie unter anderem, dass jede solche Kopie einzeln gemeldet werden müsse, um entfernt zu werden. Diesen Vorwurf versuchte YouTube, das zum Google-Konzern gehört, schon vor einigen Wochen zu entkräften.

Damals hatten sich Künstler wie Katy Perry, Billy Joel und Rod Stewart mit dem gleichen Anliegen mit einer Petition an den US-Kongress gewandt, gefolgt auch in den USA von einem offenen Brief, den noch mehr nahmhafte Künstler wie U2 und Taylor Swift unterschrieben.

YouTube wies die Vorwürfe zurück  und schrieb, die eigenen Systeme würden 99,5 Prozent aller geschützten Songs erkennen, lediglich 0,5 Prozent müssten manuell gemeldet werden.

Es geht in dem Machtkampf also eher darum, in welcher Höhe YouTube Werbeerlöse an die Musikindustrie auszahlt. Die Plattformen würden unberechtigt Werte abschöpfen, die eigentlich den Künstlern, Autoren und Rechteinhabern zustünden, heißt es in dem Brief an Juncker.

kae/dpa
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