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Mutis dicker Bauch

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aus DER SPIEGEL 39/1984

Das Reizklima italienischer Diskotheken macht die Männer offenbar so hirnlos geil, daß sie ausflippen und in Unzurechnungsfähigkeit fallen. Und die Frauen, denen Marco Ferreri mit seinem Film »Die Zukunft heißt Frau« wohl ein Kompliment machen wollte, sind nicht minder dämlich. Die PR-Frau Anna (Hanna Schygulla), die stets in farblicher Harmonie mit ihrer Umwelt und außerdem mit dem eifersüchtigen Softie Gordon (Niels Arestrup) zusammenlebt, rettet die schwangere Malvina (Ornella Muti) aus den Klauen geifernder Freier. Zum Dank drängt die Heimatlose ihren dicken Bauch in die biedere Zweisamkeit. Als Gordon sich zum Beschützer der Frauen und des Ungeborenen aufspielt, muß er sterben, und die Frauen huldigen hartnäckig dem Muttermythos. Sie tauschen einfach die Rollen. Anna, die Karrierefrau, nimmt für den toten Gatten Malvinas Baby, Malvina verzieht sich. Vielleicht glaubt Ferreri, mit der seichtblöden Dreiecksgeschichte etwas für die Emanzipation zu tun. Das Gestammel der Schygulla und die gemütvolle Schlichtheit der Muti sind dann genau das Falsche.

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