Benefizaktion Hamburger Museen am Muttertag Stell dir vor, es ist Krieg – und keiner will fliehen

Spende statt Eintritt: Mit einer Benefizaktion unterstützen Hamburger Museen am 8. Mai die Opfer des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Besonders nah kommt man den Leidtragenden in einer Fotoschau vor den Deichtorhallen.
Auf der Flucht: Die Ukrainerin Diana Gutnikowa und ihre Tochter Margarita, porträtiert von der schwedisch-britischen Fotojournalistin Anastasia Taylor-Lind

Auf der Flucht: Die Ukrainerin Diana Gutnikowa und ihre Tochter Margarita, porträtiert von der schwedisch-britischen Fotojournalistin Anastasia Taylor-Lind

Foto: Anastasia Taylor-Lind

Muttertag, das bedeutet in normalen Zeiten: Kaffee ans Bett und herzige Basteleien der Grundschulkinder. Dazu nette Worte und astronomische Blumenpreise. Doch wir leben nicht in normalen Zeiten. Der Muttertag fällt in diesem Jahr zusammen mit dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus in Europa – und findet mitten in einem brutalen Angriffskrieg statt. Die Hamburger Museen nehmen das zum Anlass, am heutigen 8. Mai einen gemeinsamen Benefiztag für die Ukraine zu veranstalten.

Zahlreiche Einrichtungen, darunter das Museum für Kunst und Gewerbe, die Deichtorhallen und die Kunsthalle, aber auch die KZ-Gedenkstätte Neuengamme wollen damit ein gemeinsames Zeichen der Solidarität für das Land setzen, das seit dem 24. Februar 2022 unter dem russischen Aggressor leidet.

Die Ukrainerin Ljudmyla Wassiliewa und ihre Tochter Valeria: »Wir haben 24 Stunden benötigt, dreimal mussten wir umsteigen, und einer unserer Züge musste aufgrund von Schusswechseln stoppen.«

Die Ukrainerin Ljudmyla Wassiliewa und ihre Tochter Valeria: »Wir haben 24 Stunden benötigt, dreimal mussten wir umsteigen, und einer unserer Züge musste aufgrund von Schusswechseln stoppen.«

Foto: Anastasia Taylor-Lind

Es gilt die Devise: »Spende statt Eintritt – Ihr Besuch für die Ukraine«. Die Erlöse des Benefiztages gehen direkt an die kooperierenden Hilfsorganisationen Hanseatic Help e.V., das Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine und MenscHHamburg e.V.

Wer dem Schicksal der Opfer des aktuellen Angriffskriegs nachspüren und den Muttertag einmal anders begehen will, sollte sich auf dem Platz vor den Hamburger Deichtorhallen umschauen. Dort findet ab heute (bis zum 3. Juli) die Freiluft-Ausstellung »Mothers & Daughters«  mit Arbeiten von Anastasia Taylor-Lind statt.

Im Auftrag der Hamburger Wochenzeitung »Die Zeit« reiste die schwedisch–britische Fotojournalistin am 8. März, dem internationalen Weltfrauentag , in die ukrainische Stadt Lwiw und porträtierte fliehende Mütter mit ihren Töchtern bei der Durchreise am Bahnhof.

Den Bomben Putins entronnen: Die Ukrainerin Anna (r.) und ihre Tochter Elizabeth aus Odessa: »Unsere Zukunft ist völlig offen.«

Den Bomben Putins entronnen: Die Ukrainerin Anna (r.) und ihre Tochter Elizabeth aus Odessa: »Unsere Zukunft ist völlig offen.«

Foto: Anastasia Taylor-Lind

Da ist etwa die 31-jährige Kindergärtnerin Diana Gutnikowa und ihre zweijährige Tochter Margarita aus Charkiw, die zehn Tage heftigen Beschuss erlebt haben und nach Tschechien fliehen wollen, wo sie bei Freunden unterkommen. Oder die Kosmetikerin Anna Shurduk, 34 Jahre alt, und ihre Tochter Elizabeth, 14. Sie sind mitsamt ihrem Welpen Chara und der Schildkröte Ljonja aus Odessa geflohen und sagen: »Unsere Zukunft ist völlig offen. Wir glauben nicht, dass der Krieg bald vorbei sein wird.«

Wo sie jetzt wohl sind? Hat sie eine Familie aufgenommen, oder leben sie in einem Flüchtlingsheim? Wie es ihnen heute ergeht, ob ihre Väter und Männer noch am Leben sind?

Ernst, entschieden, verzweifelt: Die abgelichteten Ukrainerinnen blicken frontal in die Kamera – und würden wohl einiges dafür geben, die Zeit zurückzudrehen und heute einen ganz normalen Muttertag feiern zu können – inklusive Blümchen, Basteleien und Kaffee am Bett.

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