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Gestorben Alfred Biolek, 87

aus DER SPIEGEL 31/2021
Foto: Malte Ossowski/SVEN SIMON / SvenSimon

Am Ende blickte er mit Skepsis auf seine Branche. Zu flach schien ihm, was da geboten wurde. Für einen Individualisten wie ihn sah er in der TV-Landschaft keinen Platz mehr. Geboren wurde Alfred Franz Maria Biolek 1934 in Freistadt, heute Tschechien, die Familie war sehr konservativ und blieb das auch nach ihrer Vertreibung ins schwäbische Waiblingen. Er war Mitglied in katholischen Studentenverbindungen, promovierte in Jura, arbeitete in der Rechtsabteilung des ZDF. Bei dem jungen Sender blieb Bioleks Talent fürs Fernsehen nicht verborgen. In den folgenden Jahren wirkte er vor und hinter der Kamera, wo er mit Rudi Carell »Am laufenden Band« entwickelte. Erfahrungen als Moderator sammelte er im »Kölner Treff«, bevor er 1978 mit »Bio's Bahnhof« die große Bühne der Abendunterhaltung betrat. Die Sendung war ein musikalisches Varieté des Hohen wie des Niedrigen, Biolek vermittelte als launiger Conférencier. In der Talkshow »Boulevard Bio« endlich, ausgestrahlt von 1991 bis 2003, konnte er seine Unterhaltungskunst voll ausspielen. Biolek führte keine Verhöre, Biolek schaffte Vertrauen. Er war der Zuhörer, sein Gesprächsstil die warme Plauderei wie zu Hause in der eigenen Küche – die er mit »Alfredissimo!« ebenfalls ins Fernsehen brachte. Kochen als bürgerliches Ritual unter Freunden, der Höhepunkt der Zwanglosigkeit. 2007 bereitete er sein letztes Gericht zu, einen Bohnen-Feta-Topf, und zog sich aufs Altenteil zurück: »Ich habe immer gewusst, wann Ende ist.« Alfred Biolek starb am 23. Juli in Köln.

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