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Nachrufe Clarissa Eden, 101

aus DER SPIEGEL 47/2021
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imago stock / ZUMA / Keystone / IMAGO

Selbst in der an exzentrischen Persönlichkeiten nicht armen britischen Upperclass stach sie heraus. Die Nichte Winston Churchills ging mit 16 Jahren nach Paris, um Kunst zu studieren, auf der heimischen Internatsschule hatte sie sich gelangweilt. In der französischen Hauptstadt soll Clarissa Spencer-Churchill mit 17 Jahren ihre erste Affäre gehabt haben. Ein Besuch im Varieté, wo Josephine Baker im Bananenröckchen auftrat, ist verbürgt. Zurück in England machte sie in Marlene-Dietrich-Hosen von sich reden und betrieb ohne ordentlichen Schulabschluss Philosophiestudien in Oxford. 1952 heiratete sie Sir Anthony Eden, den Außenminister ihres Onkels. Politik interessierte die 23 Jahre jüngere Clarissa angeblich wenig, sie verkehrte gerne in Künstlerkreisen, von Cecil Beaton bis Lucian Freud kannte sie viele. Doch sie hielt eisern zu ihrem Mann, der nach nicht einmal zwei Jahren als Premierminister an der Suezkrise scheiterte. 2007 erschienen ihre Memoiren, ein brillantes Zeugnis einer vergangenen Epoche. Clarissa Eden starb am 15. November in London.

ks
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