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Nachrufe Jimmie Durham, 81

aus DER SPIEGEL 47/2021
Foto: David Sillitoe / CAMERA PRESS / ddp

In den Sechzigerjahren suchte der Amerikaner seinen Weg als Dichter und Schauspieler, wohl auch als Soldat, später nahm er ein Kunststudium in Genf auf. Um manche frühe Station seines Lebens machte er ein Geheimnis. Den Großteil der Siebzigerjahre verbrachte er damit, sich in den USA für die Rechte indigener Völker zu engagieren. Das International Indian Treaty Council ernannte ihn zu ihrem Vertreter bei den Vereinten Nationen, erst seit 1980 war er Vollzeitkünstler und schuf archaisch anmutende Figuren aus Alltagsgegenständen. Schließlich verließ er die USA, lebte in Mexiko, dann in Europa, in Berlin hatte er ab den Neunzigern eine Adresse, 1992 und 2012 nahm er an der Documenta teil. Vor gut vier Jahren warfen ihm Vertreter der Cherokee vor, er habe sich zu Unrecht als Angehöriger ihres Volkes ausgegeben. Durham musste viel Häme über sich ergehen lassen, die kam auch in Schlagzeilen wie »Indianer ohne Stamm« (»Süddeutsche Zeitung«) zum Ausdruck. Seine Arbeit hingegen wurde gefeiert: Bei der Kunst-Biennale von Venedig 2019 erhielt er den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk, die Leiter der für 2022 angesetzten Documenta luden ihn als Teilnehmer ein. Jimmie Durham starb am 17. November in Berlin.

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