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Gestorben Peter Merseburger, 93

aus DER SPIEGEL 8/2022
Foto: Karlheinz Schindler / picture-alliance / dpa

Die »Panorama«-Ausgabe, mit der er Fernsehgeschichte schrieb, war jene, die ohne ihn stattfand. Im März 1974 boykottierte Peter Merseburger das von ihm geleitete Politmagazin – aus Protest gegen die Entscheidung der ARD, in der Sendung einen Beitrag der Journalistin Alice Schwarzer nicht auszustrahlen. Darin war eine Abtreibung zu sehen. Anstelle von Merseburger moderierte Nachrichtensprecher Jo Brauner. Die Merseburger-Zeit, das waren die wilden Jahre von »Panorama«. Im öffentlich-rechtlichen Gefüge war das SPD-Mitglied Merseburger das linke Pendant zum rechten Gerhard Löwenthal vom »ZDF-Magazin«. Konservativen Zu­schauern war der in Zeitz geborene Merseburger ein Ärgernis, die CDU forderte ein Bildschirmverbot für ihn. Erlernt hatte er den enthüllenden Journalismus beim SPIEGEL, wo er von 1960 bis 1965 arbeitete. Der SPIEGEL ließ ihn auch später nicht los. Seine 2007 erschienene Biografie über Rudolf Augstein ist das wohl am akribischsten recherchierte Werk über den Gründer. Auch über Willy Brandt, Theodor Heuss und den Mythos Weimar schrieb er im Ruhestand Bücher. Peter Merseburger starb am 15. Februar in Berlin.

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