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Gestorben Michael K. Williams, 54

aus DER SPIEGEL 37/2021
Foto:

Chris Pizzello / AP

Er stand mit seiner Mutter im Publikum, als bei einer Wahlkampfveranstaltung 2008 der damalige Präsidentschaftskandidat Barack Obama sagte, »The Wire« sei die beste TV-Serie und der von Williams dargestellte Omar Little darin seine Lieblingsfigur. Die Serie erzählte an der Oberfläche vom Kampf einer ausgelaugten Staatsmacht gegen die Drogengangs, gleichzeitig konnte man in ihr schon Jahre vor Trump den ökonomischen, kulturellen und politischen Niedergang Amerikas besichtigen. Williams spielte eine Art Robin Hood der Slums, der Drogengangs ausraubte und in einer hypermaskulinen Welt afroamerikanischer Drogengangs schwul war. Sein Erkennungsmerkmal war eine Narbe in seinem Gesicht, die echt war und von einer Rasierklinge bei einem Raubüberfall stammte. Überhaupt verschwammen irgendwann die Grenzen zwischen Filmfigur und Schauspieler, während der Dreharbeiten lebte auch Williams zeitweilig in einem Drogenhaus. Als er nach der Wahlveranstaltung zu Obama gebeten wurde, war er so high, dass er kaum sprechen konnte. Die Sucht ist er bis zuletzt nicht komplett losgeworden, trotzdem wurde er eine wichtige Stimme gegen systemischen Rassismus. In den letzten Jahren war er eine so imposante wie freundliche Erscheinung in den Straßen von Williamsburg, einem schicken, weißen Viertel in Brooklyn, wo man plötzlich Omar Little aus »The Wire« begegnen konnte. Michael K. Williams starb am 6. September offenbar an einer Drogenüberdosis in New York.

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oeh
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