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Nan Goldin Kampf gegen den Mäzen

aus DER SPIEGEL 37/2022
Foto: Nan Goldin

Die Arbeit von Frauen, die als Prostituierte ihr Geld ver­dienen, sei bis heute mit viel Scham behaftet, sagt die Fotografin Nan Goldin, 68, in einem neuen Film über ihr Leben. »Deshalb spreche ich hier zum ersten Mal darüber, dass ich eine Weile in New York selbst Sexarbeiterin war.« Goldin äußert sich in dem bei den Filmfestspielen in Venedig vor­gestellten Dokumentarfilm mit dem Titel »All the Beauty and the Bloodshed«. Die amerika­nische Fotografin wurde in den Achtzigerjahren berühmt mit kühlen, oft wunderbar schroffen Bildern aus dem queeren Alltagsleben New Yorks; ihre berühmteste Fotoserie hieß »Die Ballade von der sexuellen Abhängigkeit«. Die bisexuelle und zeitweise bitterarme Künstlerin gehörte dieser Subkultur lange selbst an. Ihre heute auf dem Kunstmarkt teuer gehandelten Fotografien hat Goldin in sogenannten Slide Shows in vielen wichtigen Museen der Welt präsentiert, demnächst sind sie in einer großen Werkschau in Stockholm zu sehen. Der nun in Venedig präsentierte Film über die Künstlerin ist wiederum ein Werk der US-Dokumentar­regisseurin Laura Poitras, die mit »Citizenfour« berühmt wurde, einem Film über den Whistleblower Edward Snowden. Ihr Goldin-Film beschäftigt sich vor allem mit dem poli­tischen Engagement der Künstlerin gegen die Familie Sackler, die zu den reichsten Familien der USA zählt. Der von den Sacklers regierte Arzneikonzern Purdue gilt als mitverantwortlich für die Opioidkrise in den USA. Nebenbei waren die Sacklers berühmte Kulturmäzene – und Goldin selbst opioidabhängig. Seit 2017 hat Goldin gemeinsam mit anderen Aktivistinnen und Aktivisten Kunsthäuser wie das New Yorker Guggenheim-Museum und die Londoner Tate Gallery dazu gebracht, ihre oft sehr lukrativen Sponsorverbindungen zu den Sacklers zu kappen. Im Film »All the Beauty and the Blood­shed« wird die Fotografin als tolles Vorbild an Aufrichtigkeit und Furchtlosigkeit präsentiert. Über ihre Zeit als Prostituierte sagt Goldin darin: »Die Sex­industrie ist einer der härtesten Jobs der Welt.«

höb
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