Vorwürfe gegen Sabine Rossbach NDR-Rechercheteam belastet eigene Landesfunkhausdirektorin

Erneut gibt es Berichte über Vetternwirtschaft im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Beim NDR in Hamburg soll eine Führungskraft Kunden der PR-Agentur ihrer Tochter begünstigt haben. Vorwürfe kommen auch aus dem Sender selbst.
NDR in Hamburg: Vorwürfe gegen die Landesfunkhausdirektorin

NDR in Hamburg: Vorwürfe gegen die Landesfunkhausdirektorin

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Markus Scholz / dpa

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kommt nicht zur Ruhe. Der Landesfunkhausdirektorin des NDR in Hamburg, Sabine Rossbach, wird vorgeworfen, ihren Job dafür genutzt zu haben, Familienmitgliedern Vorteile zu schaffen. Demnach soll Rossbach unter anderem PR-Kunden ihrer Tochter im Programm platziert haben. Neben dem Onlineportal »Business Insider«  hatte ein Rechercheteam des NDR die Vorwürfe erhärtet: Die Geschäftsleitung des Senders soll laut dem Bericht »offenbar mindestens seit fünf Jahren« über den Verdacht Bescheid wissen.

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Laut NDR-Rechercheteam habe es am 17. Juli 2017 eine Anfrage der »Hamburger Morgenpost« gegeben, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich an die Zeitung gewandt und von einem »herrischen Führungsstil« Rossbachs und einem »Regime des Schreckens« berichtet. Die Antwort des NDR demnach: »Nicht konkretisierte anonyme Vorwürfe kommentieren wir nicht.«

Auch die nun vorgeworfene Vetternwirtschaft wurde laut dem NDR-Bericht in der Anfrage behandelt. Demnach hätten Mitarbeiter berichtet, dass Rossbach »auffällig oft« verlange, dass im Fernsehmagazin Hamburg Journal »über bestimmte Firmen oder Personen berichtet wird, die gleichzeitig Kunden der Tochter von Sabine Rossbach sind«. Rossbachs Tochter führt eine PR-Agentur in Hamburg. Der NDR wies die Vorwürfe damals zurück.

Mails über Themenangebote

Das Rechercheteam berichtet nun von E-Mails über Themenangebote der PR-Agentur, mit Anmerkungen wie »Sollten wir haben« und »Mit der Bitte um Berichterstattung«. Absenderin: Sabine Rossbach.

Der NDR teilte mit, dass auch andere Medien über die Veranstaltungen der PR-Agentur berichtet hätten. Das Rechercheteam wirft Rossbach jedoch vor, den möglichen Interessenkonflikt nie »ausdrücklich offengelegt oder transparent gemacht« zu haben – ein Verstoß gegen die Compliance-Regeln des Senders. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollten sich laut dem Bericht nicht öffentlich äußern, aus Angst vor möglichen Konsequenzen.

In einer schriftlichen Stellungnahme räumte Rossbach inzwischen ein, Angebote ihrer Tochter weitergeleitet zu haben. »Sollte in der Redaktion der Eindruck entstanden sein, dass die Kunden meiner Tochter bevorzugt behandelt werden sollen, bedaure ich das«, heißt es in dem Statement.

Sondersitzung des Rundfunkrats

Der Landesrundfunkrat in Hamburg, ein Kontrollgremium der öffentlich-rechtlichen Anstalt, kündigte eine Sondersitzung an. »Der Landesrundfunkrat Hamburg nimmt die Vorwürfe sehr ernst und wird sich auf einer außerordentlichen Sitzung damit befassen«, sagte der Vorsitzende der Institution, Thomas Kärst.

Die Berichte sind nicht die einzigen Vorwürfe gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den vergangenen Wochen. Erst wurden Vorwürfe von Vetternwirtschaft und Filz im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) laut, die den Rücktritt von Intendantin Patricia Schlesinger zur Folge hatten. Dann gab es Berichte darüber, dass Führungskräfte im NDR-Landesfunkhaus Kiel die politische Berichterstattung gezielt beeinflusst haben könnten.

hba/dpa
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