Nach interner Prüfung NDR sieht keine Belege für »politischen Filter«

In der NDR-Affäre in Schleswig-Holstein hat der Sender eine eigene Untersuchung vorgelegt. Die Autoren sehen keine Einflussnahme auf politische Berichterstattung. Eine externe Prüfung steht noch aus.
NDR-Logo in Kiel

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Foto: Winfried Rothermel / IMAGO

Es geht um CDU-Nähe und das Verhindern unliebsamer Berichte: Seit Wochen ist das NDR-Funkhaus in Kiel in Aufruhr. Den Führungskräften wird Einflussnahme vorgeworfen. Politikchefin Julia Stein, Chefredakteur Norbert Lorentzen und Landesfunkhausdirektor Volker Thormählen lassen ihre Ämter vorerst ruhen.

Ein interner Aufarbeitungsbericht sieht den Vorwurf gegen die Sender-Führungskräfte nicht bestätigt. »Belege für einen ›politischen Filter‹ konnten wir im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein nicht finden«, heißt es in dem auf der NDR-Webseite veröffentlichten Bericht. »Wir sehen einzelne tagesaktuelle Entscheidungen kritisch, aber für einen solch massiven Vorwurf müsste die Berichterstattung des Landesfunkhauses über einen längeren Zeitraum systematisch ausgewertet werden. Das war in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich.«

Die vom Kontrollgremium Landesrundfunkrat angestoßene externe Überprüfung der Vorwürfe dauert indes noch an. Ergebnisse der beauftragten Wirtschaftskanzlei liegen noch nicht vor.

Eine Gruppe von 96 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen hatte zuvor in einer E-Mail an NDR-Intendant Jochaim Knuth der Führungsspitze ihr Vertrauen entzogen und eine Perspektive gefordert. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit diesen Führungskräften könne man sich »unabhängig von den Ergebnissen der unterschiedlichen Untersuchungen« nicht mehr vorstellen.

In dem Bericht zur internen Aufarbeitung, die der NDR selbst angeschoben und für die er Journalisten beauftragt hatte, beschreiben die Autoren aber durchaus »schwere Verwerfungen« im Landesfunkhaus in Kiel. Die Führungsstruktur sei sehr hierarchisch gewesen, es sei wenig diskutiert oder erklärt worden. Es wird unter anderem empfohlen: »Es muss genauer als bisher hingeschaut werden, ob Führungsgrundsätze im NDR eingehalten werden, in allen Bereichen des NDR und auch in den Landesfunkhäusern.«

Durch Medienberichte war vor Wochen die Frage aufgekommen, ob es bei der Politik-Berichterstattung eine Art Filter durch die Vorgesetzten gegeben haben könnte. Dabei ging es beispielsweise um ein Interview, das ein NDR-Journalist habe führen wollen, was seine Vorgesetzten aber abgelehnt hätten. Führungskräfte und Sender wiesen Vorwürfe eines »politischen Filters« zurück.

cpa/dpa
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