Umfangreiche Maßnahmen NDR will 300 Millionen Euro einsparen

200 Stellen werden nicht nachbesetzt, Formate gestrichen und Veranstaltungsreihen abgesagt. Und: Es soll weniger "Tatort"-Folgen, Unterhaltungsshows und Fernsehspiele vom NDR geben.

Eigentlich sollten in den nächsten Jahren 240 Millionen Euro eingespart werden. Nun hat der NDR beschlossen, das Sparprogramm deutlich zu erhöhen: Der Sender will in den kommenden vier Jahren 300 Millionen Euro einsparen. Dazu fand am Freitag eine Verwaltungsratssitzung statt. Der Norddeutsche Rundfunk bestätigte die Sparmaßnahmen nun in einer Pressemitteilung.

Darin heißt es, dass die Ausgaben für Personal, Produktion, Verwaltung und Programm gesenkt werden. Über alle Bereiche hinweg sollen 200 Stellen bis 2028 nicht neu besetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen habe der NDR allerdings bis 2024 tarifvertraglich ausgeschlossen.

"Inselreportagen" und "Lieb und teuer" soll es nicht mehr geben

Beim Fernsehen soll es im Bereich Unterhaltung deutliche Einschnitte geben. Dies betreffe auch die Zulieferungen der Anstalt für die ARD. Zukünftig soll es daher weniger "Tatorte", Unterhaltungsshows und Fernsehspiele vom NDR geben. Und auf manche Sendungen wird ganz verzichtet: Den "NDR Comedy Contest", "Inselreportagen" und "Lieb und teuer" soll es nicht mehr geben. "Zapp" und das "Kulturjournal" sollen ihre Inhalte zunehmend ins Internet verlagern.

In einem Interview für die Zeitungen des "RND" sagt NDR-Intendant Joachim Knuth, dass auch die Sendung "Mein Nachmittag" anders gestaltet und der Sendeetat halbiert werde. Zudem sollen die Ausgaben der "NDR Talk Show", die bisher in Hannover produziert wurden, nach Hamburg verlagert werden.

Auch im Hörfunk müssten Kosten gesenkt werden, heißt es. Die Sendungen "Echo des Tages" und "Zeitzeichen"sollen zukünftig entfallen, Hörspiele bei NDR Kultur gesendet werden. Bei den Sendern NDR 2 und N-Joy werden Formate und Festivals wie "stars@ndr2" gestrichen, auch das NDR Klassik Open Air falle weg. Bettina Tietjens Sonntagstalksendung "Tietjen talkt" bei NDR 2 werde nicht fortgesetzt, so Knuth. Außerdem wolle der NDR künftig nur noch eine Großveranstaltung in jedem seiner vier Staatsvertragsländer pro Jahr durchführen. Die Sommertouren der Landesfunkhäuser in Hamburg, Hannover, Schwerin und Kiel sollen nicht mehr stattfinden.

Coronakrise habe die Sparnotwendigkeit erhöht

Die Sparrunde sei notwendig, weil die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag trotz Erhöhung die allgemeinen Kostensteigerungen nicht auffangen könnten, heißt es. Der Sender beklagt, dass ihm bei der Verteilung des Rundfunkbeitrages einige Nachteile entstünden. Außerdem erwarte der NDR wegen der Beitragsbefreiung für Zweitwohnungen größere Einnahmeausfälle. Ein durch Asbestfunde in Hamburg notwendig gewordener Neubau belaste das Budget zusätzlich. Und: Die Folgen der Coronakrise hätten die Sparnotwendigkeit noch einmal deutlich erhöht.

evh
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