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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 36/1952

EIN KIND WAR ZEUGE (England). Ein vom Adoptivvater verprügelter und darum verschüchterter Junge lebt auf der gemeinsamen Flucht mit einem sympathischen Eifersuchtsmörder langsam auf. Der Mörder zieht schließlich, schon auf hoher See, die Rückkehr und Rettung des fieberkranken Kindes der eigenen Freiheit vor, so daß nach alter Drehbuch-Ethik zwar nicht die Polizei den netten jungen Mann besiegt, doch auch kein Kapitalverbrechen unbestraft zurückbleibt. Gut gespielt. (Independent Artists.)

TOXI (Deutschland). Nach den gängigen film-homöopathischen Rezepten verzuckert Regisseur R. A. Stemmle (SPIEGEL Nr. 33/52) mittels einer bürgerlichen Familienhandlung das bittere Zeitproblem der vaterlosen Mischlingskinder. Die Fürsorgeanstalt, vor der das Findelkind Toxi von dem gütigen Großpapa (Paul Bildt) und, nach dessen Ausfall durch eine Herzattacke, von einem gütigen Geschick bewahrt wird, präsentiert sich als ein Kinderheim mit allem Komfort, wie es denn überhaupt nichts Häßliches zu sehen gibt. Aus dem Rassen-Saulus der Familie, dem Theodor, macht Toxis kindliche Offenheit rasch einen Paulus, so daß dem weihnachtlichen Happy-End mit der Ankunft des natürlich auch wohlhabenden Toxi-Vaters aus Amerika nichts mehr im Wege steht. - Das kompromißlerische Unternehmen Stemmles, ein realistisches Zeitthema mit lauter guten UFA-Menschen abzuhandeln, präsentiert sich als gutbürgerlicher Realismus. (Fono.)

ROMMEL DER WÜSTENFUCHS (USA). Glattpoliertes Filmdokument eines holprigen Anschauungswandels. Hollywood-Regisseur Henry Hathaway erteilt den Deutschen im allgemeinen und den Militärs im besonderen die (politisch noch ausstehende) Generalabsolution. Die Kollektivschuld wird zu diesem Zweck bei dem als hysterischen Halbidioten porträtierten Hitler und dem als eitlen Lakaien gezeichneten Keitel abgeladen. Auf der Basis der gleichnamigen Rommel-Biographie von Desmond Young, der in die Kamera hinein dem Zuschauer die »historische Richtigkeit« des Films bestätigt, mischte Regisseur Hathaway geschickt Wochenschau- und Spielfilm-Aufnahmen, Churchill-Zitate und Rommel-Legende. Das preußische Kinn des verhinderten Widerständlers Rommel (James Mason), die preußische Kargheit der Inszenierung, die äußere Authentizität und ein raffinierter Schnitt bestechen. Weit offen bleibt nur die Frage, wohin der Film zielt: auf die Korrektur eines Propaganda-Bildes, auf die Eroberung bestimmter Sympathien oder auf das sichere Geschäft. (Fox.)

MEIN HERZ DARFST DU NICHT FRAGEN (Deutschland). Heidemarie Hatheyer kämpft mit gramverhärmtem Flüchtlingsgesicht um ihren auf der Flucht verlorenen Willy, der sich als adoptierter Peter im adligen Wohlstand derer von Brinkhausen (männlichedel: Willy Birgel, weiblich-dekorativ: Maria Holst) durchaus wohlfühlt. Wohltätiger Schloßherr Birgel baut Flüchtlingen piekfeine Baracken. Letzte Klassengegensätze werden auf der musikalischen Ebene überbrückt: Flüchtlings-Schmidtke (Rudolf Platte) und der Geheimrat (Paul Hörbiger) finden sich in der gemeinsamen Liebe zur deutschen Blasmusik. Des weiteren: Operation auf Leben und Tod, Gebet der Mutter in Großaufnahme, Dorfhochzeit und das hochherrschaftliche Milljöh. - Filmkonfektion aus deutschem Seelenkitsch. (Apollo.)

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