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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 50/1952

DER TAG VOR DER HOCHZEIT (Deutschland). Aus der Nacherzählung eines Theodor-Heuss-Besuches in Göttingen (SPIEGEL 39/52) wurde eine Familien- und Kleinstadt-Komödie. In seinem Bemühen, dem Milieu und den Typen - vom Bürgermeister (Paul Dahlke) bis zur linksorientierten Putzfrau (Elisabeth Flickenschild) - gerecht zu werden, schaltet der Film Kleinstadt-Tempo ein und verliert sich in Betulichkeit, um erst im satirischen Endspurt - der Präsident trifft vorm leeren Rathaus ein. während sich die Massen und die Stadtväter von Gerüchten zur Kirche treiben ließen - die ausgelassenen Chancen wieder einzuholen. Gehobene Unterhaltung, die alle Bonner Besorgnisse zerstört. (Filmaufbau.)

SCHWARZE TROMMELN (USA). Junger Mann aus Baltimore kommt um 1800 in nationaler Mission nach Haiti, wo ihm der Krieg zwischen Farbigen und Franzosen eine Kette verschiedenartiger Lebensgefahren beschert. Der Yankee und der beste Negergeneral verbrüdern sich im gemeinsamen Lobe des Freiheitsgedankens. Völkerschau bei schlichter Psychologie. (Centfox.)

DIE SPUR FUHRT NACH BERLIN (Deutschland). Franz Cap inszenierte für die Berliner CCC-Produktion einen flotten Reißer vor der kontrastreichen Kulisse des zweigeteilten Berlin mit Parallelen zum »Dritten Mann« und allen Effekten amerikanischer »Thriller": Mord (auf dem Funkturm), Autohatz (über die Ost-West-Achse),

Motorbootflucht (auf der Havel) und Gangsterjagd (in der Reichstagsruine). Die Westpolizei arbeitet mit der Ostpolizei zusammen (von Volkspolizei ist nicht die Rede), und die Russen sind adrett und ironischhöflich. In den Hauptrollen: Kurt Meisel, der Amerikaner Gordon Howard und die Neuentdeckung Irina Garden. Der Film wäre wirkungsvoller, hätte Cap zum Schluß eine Polizeihundertschaft weniger eingesetzt, beweist aber trotzdem den Traumfabrikanten, die auf Motivsuche die Heide und die Riviera bereisen, daß wirkungsvolle Filmkulissen vor ihren Ateliertüren liegen. (CCC.)

DIE MASKE HERUNTER (USA). Humphrey Bogart, das intellektuelle Rauhbein Hollywoods, verteidigt als Chefredakteur einer sterbenden Zeitung die US-Ideale von der Allmacht der freien Meinungsäußerung und des ethischen Wertes der Druckerschwärze. Noch mit seiner letzten Ausgabe entlarvt er einen Film-Gangster vom Format Costellos als Mörder. Alle Figuren, vom Richter bis zum Mütterchen Smith, beteuern ihren unerschütterlichen Glauben an die Presse. Die Zeitung stirbt trotzdem, aber der Zeitungsmann erstrahlt weiter als ein Reporter Gottes. (Fox.)

FERIEN VOM ICH (Deutschland). Regisseur Hans Deppe ("Grün ist die Heide") ging mit eigener Produktion an die Weser, um den Roman Paul Kellers, von dem er 1934 schon eine erfolgreiche Filmversion hergestellt hatte, erneut zu verfilmen. Konjunkturgemäß schwelgt Deppe diesmal in Agfacolor und in Volkslied-untermalter Rührseligkeit, die er vergeblich durch Selbstironie abzumildern sucht. Rudolf Prack überrascht als amerikanischer Millionär mit bayrischem Dialekt. Die schöne Marianne Hold beschränkt ihre Rolle darauf, über Felder und Wiesen zu reiten, während das große Aufgebot der Altroutiniers von dem jungen Paar Hannelore Bollmann / Gunnar Möller an die Wand gespielt wird. (H. D. Produktion.)

STADT IN AUFRUHR (USA). Das Doppelgesicht der Massenseele: ein kleines Negermädchen fällt in den Brunnen, und man glaubt, ein Weißer habe es entführt. Roheit und Ungerechtigkeit auf beiden Seiten schwellen an, Blutrausch und Bürgerkrieg sind nahe. Da wird das Kind im ausgetrockneten Brunnen entdeckt, und die Stadt mit allen Leuten, die sich eben noch zerfleischen wollten, helfen bei der Rettung. Spannend, technisch perfekt, Gemüt und Verstand gleichermaßen anregend und am Ende sogar optimistisch ohne Krampf. (United Artists.)

WIRTIN VOM WÖRTHERSEE (Österreich). Die Zwillinge Isa und Jutta Günther ("Das doppelte Lottchen") sind die guten Geister eines mäßigen Amerikaner-in-Österreich-Schwankes, in dem Maria Andergast mariandelt. Austria-Schmalz-Export. (Hösch)

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