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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 27/1952

FANFAN, DER HUSAR (Frankreich). Regisseur Christian-Jaque und Star Gérard Philipe veralbern geistvoll und feurig Hollywoods Abenteurerfilme, indem Fanfan - Philipe noch mehr Gegner noch schneller und freudiger absticht und noch behender zwischen Thron und Galgen hin- und herwechselt als Errol Flynn. Sonst: Die anmutige Liebesgeschichte des Husaren und der Werberstochter, die ihm aus Geschäftsgründen geweissagt hat, er werde die Tochter des Königs heiraten, die ihm von Ludwig XV. schließlich als königliche Adoptivtochter zugeführt wird. (Filmsonor.)

EHEKRIEG (USA). Strafverteidigerin Katherine Hepburn, immer noch und wieder faszinierend, kämpft im Gerichtssaal mit triumphalem, zu Haus mit geringerem Erfolg gegen ihren Staatsanwalt-Gemahl Spencer Tracy um die ewige Utopie der völligen Gleichberechtigung der Frau. Tracy zeigt sich ihr in der Gerichtsdialektik nicht gewachsen, rächt sich dafür im Eheleben mit ansonsten weiblichen Listen, wie Tränen auf Bestellung. Gelegentlich geistvoll, stets amüsant. (MGM.)

AUS DEM TAGEBUCH EINER ÄRZTIN (Sowjet-Union). Sowjetische Variante des beliebten Arztthemas in »Sowjetcolor-Farbe« (Agfa-Color). Tamara Makarowa, sowjetischer Publikumsliebling, spielt die Ärztin natürlich. Sie tut ihren Krankenhaus-Dienst mit fachlicher Umsicht und aufopferungsvoll, aber sie kann es nicht lassen, die Patienten mit politischen Bazillen zu infizieren. Taktlos. Läuft nur in der Ostzone. (Gorki 1951.)

HINTER KLOSTERMAUERN (Deutschland). Hinter den Klostermauern ringt die als »Ehrwürden Mutter Priorin« verkleidete Olga Tschechowa mit einem »Gegenwartsproblem«. Der gottlose, 17 + 4 spielende Flüchtling (Frits van Dogen), der sich mit seiner anmutig dekolletierten, wilden Wilde-Ehe-Frau (Katharina Mayberg) ins Kloster eingenistet hat, soll zu innerer Einkehr und zur Arbeit bewogen werden. Boogie-Woogie-Rhythmen der feiernden Flüchtlinge begleiten das Abendgebet der Schwestern. Der nach großem finanziellen Trouble hergestellte vierte Film der Produzentin Tschechowa (Lebensbeichte: »Ich verschweige nichts") ist sauber gespielt. Gelungene Chargen, besonders der kleine Peter Fischer. (Delta-Venus.)

SPIONIN IN TOKIO (USA). Vor buntem fernöstlichem Hintergrund einer der üblichen Ich-kam-ich-sah-ich-siegte-Filmberichte aus dem Wirken des US-Geheimdienstes. Ein KP-Agent nach dem anderen wechselt auf die demokratische Seite über. Die Häupter des roten Untergrundes, die mit Unruhe und Streiks den Korea-Nachschub stören wollten, werden bald »erledigt«. Ein wenig zu simpel. (RKO.)

DER FÜRST VON PAPPENHEIM (Deutschland). Die Filmversion eines vor zwanzig Jahren schon einmal verfilmten Serienstücks aus Arnold & Bachs Schwankfabrik. Die neueren Witze des Drehbuchautors Bobby E. Lüthge passen sich unter »Altmeister« Deppes Regie nahtlos ein. Bescheidenes Revue-Geglitzer, die unvermeidlichen Girl-Garderoben, etwas Riviera, ausführliche Modenschau, mittelmunterer Klamauk und Stargewimmel: Hannelore Schroth singt mit gepumpter Stimme, Victor de Kowa zappelt wie ein originaler Jüngling, Oskar Sima und Siegfried Breuer wetteifern in öliger Hochstapelei, Grethe Weiser und Edith Schollwer in gereifter Kodderschnauze. (Central-Europa-Film.)

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