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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 1/1952

FRÄULEIN JULIE (Schweden). Film überträgt Strindbergs Seelenbohrungen aus dem Bühnenstück »Fröken Julie": Triebgepeinigte Julie läßt sich mit Kutscher ein, der zwar ein strammer Mann, aber ein großer Schuft ist. Nachdem sie die ganze Skala sadistischer Sexualpathologie heruntergeglitten ist, muß sie sich eines Rasiermessers bedienen, um einen grausigen, aber gerechten Tod zu erleiden. Schwedische Mittsommernacht und das muntere, derb-rustikale Treiben der Dorfbewohner sind wirkungsvoller Hintergrund. Großer Preis der internationalen Konkurrenz von Cannes 1951. (Sandrew-Baumann.)

DIE CZARDASFÜRSTIN (Deutschland). Georg Jacoby drehte frei nach Emmerich Kálmáns Erfolgsoperette für 1,4 Millionen DM kreuzbrave, einfallslose Agfacolor - Revue um seine Gattin Marika Rökk. Drehbuchhandwerkler Bobby E. Lüthge ("Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen") und Georg Jacoby schrieben lauwarme Handlung um viel Gesang, beliebte Kálmán-Melodien und viele (hübsche) Tänze. Johannes Heesters in diversen Operetten-Uniformen und im silberglitzernden Pappmaché-Hubschrauber. Film ist bereits in 14 Länder verkauft (darunter Griechenland, Türkei, Persien). Für Operettenfreunde über 40. (Deutsche Styria-Film/Junge Film-Union.)

DIE PERLENRÄUBER VON PAGO - PAGO (USA). Bewährte Südsee-Idylle mit friedlichen schönen Naturkindern, Blumenkränzen und Hula-Hula werden durch skrupellose weiße Abenteurer gestört, die Eingeborene zwingen, kostbare Perlen von gefährlich tiefem Meeresgrund zu holen. Dabei platzen den Tauchern innere Organe und dem Publikum die Geduld. (United Artists.)

DIE MARTINSKLAUSE (Deutschland). Altbayerisches Filmepos, frei nach Ganghofer, aber mittelaltertümelnd. Ein wackerer Probst und ein wirksam ausgefilmter Steinschlag machen einer räuberischen Landverwesersippe den dramatischen Garaus. Drehbuch könnte von Alois Hundhammer stammen, der sich auch bei der Premiere im Kino zufrieden den Bart ob soviel Heimat- und Kirchentreue strich. (Ostermayr.)

KOMMEN SIE AM ERSTEN (Deutschland). Regisseur Erich Engel schloß Milieu-Kompromiß: Teures Nachtlokal und fesche Junggesellenwohnung, aber das Geld, auch in kleineren Summen, wird ernster genommen als in den üblichen deutschen Nachkriegslustspielen. Inkasso-Hannelore Schroth hebt die Finanzmoral des leichtherzigen Kunden und Komponisten Ernst Lothar. Beinahe-Ehebruch und Verlobung, Schulden und Zahlungen kommentiert Axel von Ambesser unsichtbar mit Boulevard-Philosophien und gehobenen Kalauern von Just Scheu und Ernst Nebhut. (Real-Film.)

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